Chemnitz - Ein Stachel in der Hand, ein Blick zu den Erdmännchen und plötzlich sind alte Erinnerungen wieder da: Im Tierpark Chemnitz können Menschen mit Demenz künftig besondere Momente erleben. Gemeinsam mit dem DemenzNetz Chemnitz hat der Tierpark ein neues Führungsangebot entwickelt, das auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.
Bei der ersten geschlossenen Führung mit Gästen aus der Tagespflege der Volkssolidarität ging es darum, alle Sinne anzusprechen und Erinnerungen zu wecken. Rund 90 Minuten dauerte der Rundgang.
Bei den Flamingos konnten die Teilnehmer Federn und Eier fühlen. Bei den Stachelschweinen erinnerten abgeworfene Stacheln an Stricknadeln oder das Spiel Mikado. Zum Abschluss durften die Besucher die Erdmännchen füttern.
"Man erlebt, dass viele aus sich herauskommen, mehr erzählen und sich an früher erinnern", sagt Zoopädagogin Saskia Quinger (36).
Auch Menschen mit fortgeschrittener Demenz könnten durch solche Erlebnisse aktiviert werden.
Jede Führung wird individuell vorbereitet
Seit August arbeitet Quinger als Zoopädagogin im Tierpark. Das neue Angebot sei für sie ein Herzensprojekt. "Ich hatte schon vorher mit dem DemenzNetz zusammengearbeitet. Da war klar, dass man die Themenbereiche verbinden muss", sagt sie.
Jede Führung wird individuell vorbereitet. Neben den Bedürfnissen der Teilnehmer spielen auch ihre Lebensgeschichten eine Rolle. Wer früher in der Landwirtschaft gearbeitet hat, kann beispielsweise den Erlebnisbauernhof besuchen.
Die ersten Rückmeldungen sind positiv. "Ich fand es sehr gut. Alles hat mir gefallen", sagt Monika Richter (85). Auch Hans Richter (90) verbindet den Besuch mit einer Erinnerung: Beim Blick auf die Emus denkt er an eine Reise nach Südafrika vor zehn Jahren zurück.
Weitere Aktionen sind zur Woche der Demenz geplant. Eine erste öffentliche Führung findet am 23. September statt. Anschließend soll das Angebot monatlich fortgesetzt werden. Weitere Informationen und Anmeldung unter: tierpark-chemnitz.de