Chemnitz - Was für ein Irrsinn! Am Freitagabend sollte die verurteilte Rechtsextremistin Marla-Svenja Liebich (56) ihre Haftstrafe im Chemnitzer Frauenknast antreten. Zahlreiche Medienvertreter und Schaulustige waren vor Ort - angetrieben von einem Social-Media-Post von Liebich. Doch die 56-Jährige führte offenbar alle an der Nase herum! Sie will nach eigenen Angaben ins Ausland geflüchtet sein.
Auf der Plattform "X" kündigte Liebich vor einigen Tagen an, ihre Haft am Freitagabend um 22 Uhr anzutreten. Eine Stunde vorher stünde sie für Presseanfragen zur Verfügung. Dementsprechend hatten sich gegen 20 Uhr bereits mehrere Medienvertreter vor der Chemnitzer JVA versammelt - zahlreiche Kameras wurden aufgestellt, Mikrofone in Stellung gebracht.
Gleichzeitig standen viele Unterstützer der verurteilten Rechtsextremistin vor dem Frauenknast. Auch die Polizei positionierte sich mit ihren Fahrzeugen vor der JVA, zahlreiche Beamte überwachten das Geschehen.
Die rechtsextremen "Freien Sachsen" nutzten den Medienrummel für sich und starteten eine Kundgebung. Dabei wurde auch eine mutmaßliche Sprachnachricht von Liebich abgespielt. Darin beschwerte sie sich über die Verhöhnung und Verspottung, die sie als Frau erfahren habe. In einem solchen Land könne sie nicht mehr leben - aus diesem Grund habe Liebich das Land verlassen und sich in einem "Drittland" niedergelassen.
Applaus und Gelächter bei den rechtsextremen "Freien Sachsen"! Liebich tauchte laut TAG24-Informationen tatsächlich am Abend nicht vor dem Knast auf. Auf "X" veröffentliche sie am späten Freitagabend ein Bild, das vermuten lässt, dass sie nach Russland geflohen ist. "Niemand wusste von meinem Entschluss – kein Anwalt, keine Familie", schreibt sie. Ob ein internationaler Haftbefehl folgt, bleibt abzuwarten.
Der bizarre Fall Liebich: Als Mann verurteilt, als Frau zum Haftantritt geladen
Der Fall Marla-Svenja Liebich sorgte bundesweit für Aufsehen. Im Juli 2023 wurde er, damals noch als Sven Liebich, vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu anderthalb Jahren Knast verurteilt - ohne Bewährung.
Daraufhin wechselte Liebich sein Geschlecht, trug Frauenkleider, Lippenstift und eine Frauen-Handtasche. Vor zwei Wochen dann die Ladung zum Haftantritt - und zwar in die Frauen-JVA. Der bizarre Fall sorgte für hitzige Diskussionen. Der Vorwurf der Kritiker: Liebich missbrauche das Selbstbestimmungsgesetz der Ampel-Regierung.
Selbst der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Detlef Müller (61) gestand einen Fehler ein - die Befürworter hätten mehr auf Kritik hören müssen, um sensible Einrichtungen (wie etwa eine Frauen-JVA) besser zu schützen. Brisant: Müller hatte damals für das Gesetz gestimmt.
Er sagte zu TAG24, dass Liebich eindeutig in den Männerknast gehöre.