Vorfahren einst vom Kaßberg vertrieben: Ganze Familie reist für den Stolperstein nach Chemnitz

Chemnitz - Sie erinnern an Menschen, deren Leben durch die nationalsozialistische Verfolgung zerstört wurde: Am Donnerstag wurden in Chemnitz 24 neue Stolpersteine an neun Orten verlegt. Besonders bewegend war die Verlegung von vier Steinen vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Firnbacher in der Georg-Landgraf-Straße 24 auf dem Kaßberg.

Eve Stockhammer (63), Tochter von Margarete Firnbacher, legt eine weiße Rose nieder.  © Kristin Schmidt

Von hier floh die Familie vor der NS-Verfolgung nach Palästina. Emanuel Firnbacher arbeitete ab 1928 als Arzt in Chemnitz. Im selben Jahr heiratete er Liselotte Bing, ein Jahr später kam Tochter Margarete zur Welt. Nach Auseinandersetzungen und zunehmender Ausgrenzung floh die Familie 1935 über Karlsbad und Triest nach Haifa.

Zur Verlegung reisten elf Angehörige aus der Schweiz an, darunter Margaretes fünf Kinder. "Ich hätte nie gedacht, dass auch meine Familie einen Stolperstein bekommt. Das hat mich wirklich sehr berührt", sagt Tochter Dorin Ritzmann (67).

Erst nach dem Tod ihrer Mutter 1999 begannen die Geschwister, die Familiengeschichte aufzuarbeiten. Dabei erfuhren sie, dass rund 30 Angehörige ermordet worden waren.

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"Meine Mutter hat nie über Chemnitz gesprochen. Der Großteil unserer Familie wurde umgebracht", erzählt Tochter Eve Stockhammer (63). "Als ich dieses Jahr erstmals vor dem Haus stand, konnte ich mir die Geschichte meiner Familie zum ersten Mal vorstellen."

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Eine Nachfahrin zeigt ein Bild von Liselotte (v.l.), Tochter Margarete und Emanuel Firnbacher, sowie ein Familienfoto nach der Ankunft in Haifa 1936 (oben).  © Kristin Schmidt

Eve Stockhammer arbeitet als Künstlerin - noch bis 22. November ist ihre Installation ("Iskor - Für jedes Kind eine Perle") in der St.-Jakobi-Kirche zu sehen.

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