Wasserstoff-Metropole Chemnitz: Wo die H2-Tram Gestalt annimmt

Chemnitz - Die H2-Tram - eine Straßenbahn, betrieben mit Wasserstoff? Klingt logisch. Denn inzwischen fahren Lastwagen mit Brennstoffzellenantrieb. Statt Abgasschwaden verlassen ein paar Wassertropfen ihren Auspuff. Noch im Frühjahr läuft in Norwegen das erste H2-Schiff vom Stapel.

Erfunden in Chemnitz, gebaut in Leipzig - so soll die Superstraßenbahn aussehen.
Erfunden in Chemnitz, gebaut in Leipzig - so soll die Superstraßenbahn aussehen.  © PR/Daniela Heger, Hörmann Vehicle Engineering

"Doch bislang gibt es wasserstoffbetriebene Straßenbahnen nur in China und Südkorea. In Europa wollen wir die ersten sein", sagt Frank Salzwedel. Der 59-Jährige ist Geschäftsführer der Hörmann Vehicle Engeneering mit Sitz in Chemnitz.

Die Firma führt ein Konsortium an, das genau vor einem Jahr mit dem Straßenbahnprojekt begonnen hat. Ebenfalls beteiligt sind der Straßenbahnbauer HeiterBlick aus Leipzig und der Brennstoffzellenspezialist Wätas aus Olbernhau (über ihn berichtet diese Serie noch ausführlich). Wätas soll die Brennstoffzelle für die Bahn liefern.

"Das Projekt läuft planmäßig", sagte Salzwedel auf Anfrage. Im ersten großen Schritt tüfteln die sächsischen Ingenieure an einer sinnvollen Nutzung der durch die Brennstoffzelle erzeugten Abwärme. Sie klären, wie damit die Heizung oder auch die Klimaanlage betrieben werden können.

Frank Salzwedel (59) von Hörmann Vehicle Engineering.
Frank Salzwedel (59) von Hörmann Vehicle Engineering.  © Uwe Meinhold
Hörmann Vehicle Engineering sitzt in Chemnitz. Die Firma entwickelt die Wasserstoff Straßenbahn.
Hörmann Vehicle Engineering sitzt in Chemnitz. Die Firma entwickelt die Wasserstoff Straßenbahn.  © Uwe Meinhold
Auf dieser Wiese soll das riesige Chemnitzer Wasserstoffzentrum stehen.
Auf dieser Wiese soll das riesige Chemnitzer Wasserstoffzentrum stehen.

Raus aus dem Labor, hinein ins nächste Level.

Erfinder Vladimir Buday (li.) mit Professor Thomas von Unwerth (54).
Erfinder Vladimir Buday (li.) mit Professor Thomas von Unwerth (54).  © TU-Chemnitz/Ronald Bartel

Auch der Straßenbahnantrieb an sich soll von der Abwärme profitieren. Bereits 2023 will man Land sehen. Dann geht es an die Entwicklung eines Prototypen der Bahn. "Aber bis sie rollt, dauert es sicher bis Ende der 2020er Jahre", so Salzwedel.

Potenzielle Kunden gibt es schon: Das sind die Verkehrsbetriebe in Leipzig, Regensburg, Berlin und natürlich Chemnitz. Über mögliche Entwicklungskosten macht der Boss keine Angaben. Laufen zur Zeit doch noch Verhandlungen und Absprachen mit Fördermittelgebern.

Dafür ist schon klar, wie die Bahn einmal aussehen wird. Die H2-Tram basiert auf jener neuen Straßenbahngeneration, die HeiterBlick ab 2023 in Zwickau, Görlitz und Leipzig auf die Schiene stellt.

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Den Zuschlag der gemeinsamen Ausschreibung der drei Städte erhielten die Leipziger vor zwei Monaten. Nun entwickeln sie dafür eine sogenannte Sächsische Plattform - Basis auch für die künftige H2-Bahn.

Das Wasserstoff-Megazentrum

Raus aus dem Labor, hinein ins nächste Level. Noch in diesem Jahr sollen die Bauarbeiten für das größte beginnen, was in Chemnitz jemals rund um Wasserstoff und Brennstoffzelle auf die Beine gestellt wurde: Das "Hydrogen and Mobility Innovation Center" zu deutsch:

"Wasserstoff und Mobilitätsinnovations-Zentrum", kurz HIC. Bis 2025 sollen 60 Millionen Euro investiert werden. Als Standort ist der Technologiecampus der Technischen Universität vorgesehen. In den nächsten fünf Jahren entstehen dort 80 bis 100 Arbeitsplätze, verspricht Professor Thomas von Unwerth (54) von der TU.

"Das wird ein Forschungs- und Entwicklungsdienstleister für Firmen, die sich keine eigene Forschung und Entwicklung leisten können." Die meist mittelständischen Firmen finden später einmal am HIC Teststände, Labors, Plattformen sowie Maschinen und Anlagen. Immer die neuesten Technologien. Betrieben werden soll das HIC mit Erneuerbaren Energien und natürlich einer eigenen H2-Versorgung.

Titelfoto: Uwe Meinhold

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