Weil alles immer teurer wird: Mega-Ansturm bei Chemnitzer Tafel

Chemnitz - Sprit, Strom, Essen ... die Teuerungen der vergangenen Wochen bekommen viele Chemnitzer am eigenen Leib zu spüren. Besonders problematisch ist es für jene, die schon vorher am Existenzminimum lebten. Ihnen hilft die Tafel - das Team um Chefin Christiane Fiedler (62) hat gerade mehr denn je zu tun.

Tafel-Chefin Christiane Fiedler (62) freut sich über Warenspenden.
Tafel-Chefin Christiane Fiedler (62) freut sich über Warenspenden.  © Uwe Meinhold

"Es betrifft Menschen, die sich bis jetzt durchgewurschtelt haben, nun aber sehen, dass es mit dem Durchwurschteln nicht mehr reicht", beschreibt Fiedler die angespannte Situation. Nicht nur die Lebensmittelpreise seien stark gestiegen, vielen Kunden drohten zudem hohe Nachzahlungen im Energiesektor.

Für Chemnitzerinnen wie Manuela Lange (61) ist die Tafel in diesen Tagen ein echter Rettungsanker: "Die Preissteigerung sieht man bei Obst und Gemüse schon deutlich. Ich gehe unter der Woche auch einkaufen, schaue dabei aber immer auf die Preise", sagt sie.

Seit mehreren Jahren kommt Manuela Lange zusammen mit Marion Schmidt (59) jeden Freitag zur Tafel, um Lebensmittel für den Eigenbedarf abzuholen. Mit wenig auszukommen, ist sie gewohnt - doch in letzter Zeit gehen die Preise überall durch die Decke.

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Die Zahl der Anfragen bei der Tafel Chemnitz sind seit Jahresbeginn in die Höhe geschnellt, bestätigt Tafel-Chefin Fiedler. Seit Jahresanfang besuchen 1300 Kunden pro Woche die Spenden-Ausgabe in der Zwickauer Straße 247. Auch Jens Juraschka (47), Chef der Zwickauer Tafel, sprach zuletzt von einer Welle an Bedürftigen. Dass sie in absehbarer Zeit abebbt, ist bislang nicht in Sicht.

Tafel-Mitarbeiter Rene Reuther (49) verlädt Obst und Gemüse.
Tafel-Mitarbeiter Rene Reuther (49) verlädt Obst und Gemüse.  © Uwe Meinhold
Bedürftige stehen an der Chemnitzer Tafel an.
Bedürftige stehen an der Chemnitzer Tafel an.  © Uwe Meinhold
EU-Rentner Ralf Pape (60) geht ab und zu auch normal einkaufen. Allerdings schaut er immer auf die Preise.
EU-Rentner Ralf Pape (60) geht ab und zu auch normal einkaufen. Allerdings schaut er immer auf die Preise.  © Uwe Meinhold
Die Hartz-IV-Empfängerinnen Marion Schmidt (59, l.) und Manuela Lange (61, r.) haben ihre Spende abgeholt.
Die Hartz-IV-Empfängerinnen Marion Schmidt (59, l.) und Manuela Lange (61, r.) haben ihre Spende abgeholt.  © Uwe Meinhold

Auch hier gibt's Hilfe für Betroffene: Der heiße Draht für kalte Nächte

Bei Anruf Hilfe: Die Kälte-Hotline für Obdachlose betreut Heilsarmee-Chef Matthias Lindner (42) an diesem Tag persönlich.
Bei Anruf Hilfe: Die Kälte-Hotline für Obdachlose betreut Heilsarmee-Chef Matthias Lindner (42) an diesem Tag persönlich.  © Kristin Schmidt

Warmherzige Aktion: Die Heilsarmee bietet ab sofort eine Hotline für Obdachlose in Frostnot an. Unter der Nummer 0157/52846985 können sich Hilfesuchende beim Kältebus-Team melden.

"Gerade in der kalten Jahreszeit können wohnungslose Menschen in lebenskritische Situationen geraten", warnt Heilsarmee-Chef Matthias Lindner (42).

Durch den Bus und die ehrenamtliche Initiative von Jugendlichen ist es möglich, verschiedene Plätze in der Stadt aufzusuchen und u. a. warme Getränke, Essen und Schlafsäcke, sogenannte Sheltersuits, an Bedürftige auszugeben.

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Nach einem Beschluss des Stadtrates werden zudem 30.000 Euro für die niedrigschwellige und aufsuchende Wohnungsnotfallhilfe sowie die Suchthilfe zur Verfügung gestellt.

Unterstützung finden Obdachlose auch im Wohnprojekt der "Selbsthilfe 91", beim Tagestreff "Haltestelle" der Stadtmission Chemnitz und dem städtischen Sozialamt.

Titelfoto: Uwe Meinhold

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