Wie groß ist das Waschbär-Problem in Chemnitz?
Chemnitz - In Chemnitz mehren sich die Sichtungen von Schäden durch Waschbären - doch das Rathaus erhebt keine Daten zur Population der pelzigen Säugetiere. Bei den Stadtratsfraktionen stößt das auf Unverständnis. Ein Experte erklärt, wie es besser laufen könnte.
Nach Auffassung von SPD-Stadtrat Jürgen Renz (51) hat sich in Chemnitz das Problem der Vermehrung von Waschbären vergrößert: "Es werden mehr Waschbären festgestellt, es gibt mehr Beschwerden von Bewohnern und eine höhere Erwartung an die Stadtverwaltung zu handeln", so Renz. Auch die AfD hat vermehrte Bürgermeldungen über Schäden durch die tierischen Masken-Räuber angegeben.
Doch auf die Anfragen von sechs Ratsfraktionen über die Entwicklung der Waschbär-Plage in den vergangenen Jahren, gibt sich die Stadtverwaltung einsilbig: "Zahlen zur Waschbär-Population werden nicht erfasst", so Ordnungsbürgermeister Knut Kunze (56, parteilos).
Die Zahl der pelzigen Tiere, die in den vergangenen Jahren im Stadtgebiet erlegt wurden, bleibt konstant hoch - allein in der Saison 2025/2026 waren es 201 Stück.
Maßnahmen zur Eindämmung, wie das Aufstellen von Fallen, werden von der Stadt nicht getroffen. Das Rathaus verweist dabei auf den Jagdausübungsberechtigten im jeweiligen Jagdbezirk oder auf den Grundstückseigentümer des betroffenen Gebiets.
Getötete Tiere kann man kostenlos in einem Konfiskatkühler in der Feuerwache 3 der Jagdschänkenstraße entsorgen.
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Tier-Experte gibt Tipps: So kann man einem Waschbär-Besuch vorbeugen
Lokalpolitiker reagieren mit Unverständnis: "Die aktuellen Antworten der Stadt bestätigen erneut: Wer Probleme mit Waschbären hat, muss sich in erster Linie an Jagdausübungsberechtigte wenden", so Volkmar Zschocke (57, Grüne). Ulrich Oehme (66, AfD): "Es reicht nicht, auf Maßnahmeblätter zu verweisen und ansonsten untätig zu bleiben."
Laut dem promovierten Forstzoologen Norman Stier (56) von der TU Dresden könnte im Stadtgebiet ein Netz von Fotofallen aufgestellt werden, um die Populationsdichte von Waschbären zu erfassen und zu überwachen. Dies könnte unter Mithilfe der Bevölkerung geschehen - sei allerdings sehr aufwendig.
Als Präventivmaßnahme empfiehlt Stier, dass man Schäden in Gebäuden verhindert, "wenn man die Dächer dicht bekommt", so Stier.
Bei Baumbesitzern hilft es, "Plaste-Manschetten, oder Plaste-Ringe, um die Baumstämme" anzubringen, sodass der Waschbär gar nicht auf die Bäume kommt. Bei Abfällen empfiehlt es sich, dass man Mülltonnen dicht hält.
Titelfoto: Bildmontage: Jan Härtel, privat

