Chemnitz - Wie sieht der Alltag hinter Gefängnismauern aus? Zum Tag der offenen Tür gewährte die JVA Chemnitz Einblicke in das Leben hinter Gittern. 222 Frauen sind derzeit in Sachsens einzigem Frauenknast mit 336 Haftplätzen untergebracht. Darunter sind auch bundesweit bekannte Straftäterinnen wie NSU-Terroristin Beate Zschäpe (51) und Annegret K. (61), Witwe des ermordeten Kardiologen Klaus Kleinertz.
Beim Rundgang mit Anstaltsleiter Jürgen Frank (61) wurde deutlich, dass der Alltag mehr umfasst als verschlossene Zellentüren. "Wir haben hier alle Vollstreckungsarten, mit Ausnahme der Abschiebehaft", erklärt er. Die JVA ist für den Frauenvollzug in Sachsen und Thüringen zuständig.
Die Einzelzellen sind zehn bis zwölf Quadratmeter groß und haben eine eigene Toilette. Fernseher und Spielekonsolen sind erlaubt, allerdings ohne Internetzugang. Eine Neuerung sind Kühlschränke: "Die JVA fängt an, Zellen mit Kühlschränken auszustatten", ergänzt Frank.
Auch Arbeit gehört zum Haftalltag. Rund zwei Drittel der Frauen sind beschäftigt, etwa in Näherei, Wäscherei, Stickerei, Malerbetrieb oder Gärtnerei. Der Arbeitstag dauert rund siebeneinhalb Stunden, der Stundenlohn liegt bei etwa zwei Euro.
Werkzeuge werden kontrolliert ausgegeben und wieder eingesammelt. "Wie wollen Sie eine Küche betreiben ohne Messer?", fragte Frank mit Blick auf die Sicherheitsvorkehrungen. Auch Schulabschlüsse und berufliche Qualifizierungen sind möglich.
Therapieangebote während der Haftzeit
Eine weitere Besonderheit dieser JVA sind die Therapieangebote. So bietet die Anstalt eine Suchttherapie an, die bereits während der Haftzeit gemacht werden kann. "Die Therapien dauern rund zwei bis drei Jahre. Dazu muss auch die Haftlänge passen", ergänzt Frank.
Dazu gibt's auch noch Sozial- und Kunsttherapie. "In der Kunsttherapie sollen die Frauen lernen, Gefühle wie Wut, Frustration und Angst wahrzunehmen", erklärt Kunsttherapeutin Britta Fahr (58).
Und wie sieht es beim Essen aus? "Es gibt drei Gerichte zur Auswahl: normale, vegetarische und religiöse Kost", erklärt eine Vollzugsbeamtin.
Allerdings müssen sich die Gefangenen für eine Variante entscheiden und dabei bleiben. Zu Weihnachten gibt es sogar eine Gänsekeule.
Frank, der zuvor Männerknäste in Thüringen leitete, stellt einen Unterschied fest: "Es ist schon ruhiger hier."