Chemnitzer Jugendnothilfe gerät selbst in Not
Chemnitz - In der Kinder- und Jugendnothilfe in Chemnitz ist so viel zu tun wie nie zuvor. Das geht aus einem Bericht des Jugendamtes hervor, der am Dienstag im Jugendhilfeausschuss vorgestellt wird.

Das Jugendamt dokumentierte "mehrmals angezeigte Überbelegungen in den Inobhutnahmeeinrichtungen und stets ausgelastete stationäre Wohngemeinschaften".
Grund für das Eingreifen des Sozialdienstes waren 2022 in 16 Prozent der Fälle Schul- und Ausbildungsprobleme - mehr als eine Verdopplung gegenüber 2018 (7 Prozent).
Der Anteil der vernachlässigten Kinder ist gestiegen. Ebenso die Zahl der überforderten Eltern: 72 Prozent der Inobhutnahmen erfolgten aus diesem Grund. "Langzeitfolgen der Schließung von Bildungs- und Freizeiteinrichtungen während der Corona-Pandemie zeigen jetzt zunehmend ihre Wirkung", konstatiert der Bericht.
"Der soziale Rückzug von Kindern, Jugendlichen und Familien hat in der Folge zugenommen." Sozialbürgermeisterin Dagmar Ruscheinsky (64, parteilos) will die Kostenexplosion in der Jugendhilfe auf aktuell 49,1 Millionen Euro mithilfe eines Steuerungskonzeptes abmildern.


Vorgesehen sind beispielsweise mehr Familienpaten, mehr Pflegeeltern und stadtteilorientierte Modellprojekte zur Prävention.
Titelfoto: Uwe Meinhold, Ralph Kunz