Immer mehr Schulschwänzer in Chemnitz: Politiker fordern strengeres Durchgreifen

Chemnitz - Immer mehr Chemnitzer Kinder schwänzen die Schule dauerhaft oder länger. Jetzt schlagen Politiker Alarm. Sie fordern Infektionsschutz und konsequentes Durchgreifen der Behörden.

Die Zahl der Schulschwänzer und der Bußgelder steigt deutlich an.
Die Zahl der Schulschwänzer und der Bußgelder steigt deutlich an.  © Jens Kalaene/dpa

Auf TAG24-Anfrage erklärte die Stadt, dass es vor zwei Jahren 288 Bußgeldverfahren gegen Schulschwänzer oder Eltern gab, 2021 dann 270. Dieses Jahr schnellen die Zahlen nach oben - auf 456 Verfahren bis Oktober.

"Über einmaliges Schwänzen gibt es keine Statistik", sagt Roman Schulz (61), Sprecher des Landesamtes für Schule und Bildung. Richtlinie: Ab dem dritten Fehltag sollten Fälle gemeldet werden. Schulz warnt, die aktuellen Zahlen überzubewerten: "2020/21 war die Schulpflicht teilweise ausgesetzt."

Das zwangsweise Vorführen von Schülern findet in Chemnitz nicht statt. Aber das Schulamt hört Eltern gemeldeter Kinder an. "Führt das Gespräch nicht zum geregelten Schulbesuch, drohen Bußgelder von bis zu 1250 Euro", erklärte eine Stadtsprecherin.

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Sabine Brünler (37, Linke) vermutet hinter einigen Verweigerern Angst vor Corona. "Hier muss die Landespolitik handeln, zum Beispiel mit Luftfiltern. Es ist gefährlich, wenn Kinder zu viel Lernstoff versäumen."

Sorgen um die Zukunft macht sich auch Solveig Kempe (41, CDU). Sie will die Luftfilter erneut zum Thema machen. "Ansonsten bin ich für konsequentes Kümmern bei Verweigerern. Wenn das Ordnungsamt vormittags ein Kind in der Stadt antrifft, kann man es auch ansprechen."

Fehlende Luftfilter in Klassenzimmern könnten zu mehr Schulverweigerern geführt haben.
Fehlende Luftfilter in Klassenzimmern könnten zu mehr Schulverweigerern geführt haben.  © Julian Stratenschulte/dpa
Roman Schulz (62) ist Sprecher des Landesamtes für Schule und Bildung.
Roman Schulz (62) ist Sprecher des Landesamtes für Schule und Bildung.  © Ralf Seegers
Thomas Brewig (55) ist der Vorsitzende des Kreiselternrates der Schulen.
Thomas Brewig (55) ist der Vorsitzende des Kreiselternrates der Schulen.  © Kristin Schmidt
Solveig Kempe (41, CDU) fordert "konsequentes Kümmern bei Schulverweigerern".
Solveig Kempe (41, CDU) fordert "konsequentes Kümmern bei Schulverweigerern".  © Kristin Schmidt

Kreiselternrats-Chef Thomas Brewig (55) möchte zuvor ermitteln lassen, warum mehr Kinder die Schule schwänzen. "Dahinter könnte auch Schulangst wegen Corona stecken."

Titelfoto: Jens Kalaene/dpa

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