Politischer Zündstoff: Wer führt die Chemnitzer CDU in die Zukunft?

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Chemnitz - Machtkampf statt harmonischer Staffelstabübergabe! Bei der Chemnitzer CDU kracht es hinter den Kulissen. Wenn die Christdemokraten am Freitagabend im Luxor ihre neue Kreischefin wählen, stehen gleich zwei Frauen zur Wahl. Es geht um Einfluss, die Zukunft der Partei und womöglich auch um ihre politische Richtung!

Landtagsabgeordnete Ines Saborowski (59) gibt ihren Posten als Kreischefin der Chemnitzer CDU ab.
Landtagsabgeordnete Ines Saborowski (59) gibt ihren Posten als Kreischefin der Chemnitzer CDU ab.  © Kristin Schmidt

Nach vier Jahren gibt Landtagsabgeordnete Ines Saborowski (59) den Vorsitz ab. Ihren Rückzug hatte sie den Mitgliedern schriftlich angekündigt. "Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen", erklärte sie. Gleichzeitig machte sie unmissverständlich klar, wen sie auf ihrem Chefsessel sehen möchte: Bundestagsabgeordnete Nora Seitz (42).

"Ich schlage euch unsere Bundestagsabgeordnete Nora Seitz als neue Kreisvorsitzende vor", schrieb Saborowski. Die Fleischermeisterin bringe alles mit, um die Partei erfolgreich zu führen. Sie könne zum neuen Gesicht der Chemnitzer CDU werden.Doch die Krönung der Wunsch-Nachfolgerin läuft nicht geräuschlos! Denn auch Alexa von Künsberg (48) will an die Spitze. Die Projektentwicklerin, Chefin der Chemnitzer Mittelstandsunion und Vize der Frauen Union, wurde von Letzterer nominiert. Ihre Kandidatur hatte sie dem Vorstand bereits am 10. September mitgeteilt.

Damit stehen sich zwei Frauen gegenüber, die schon 2024 bei der Nominierung für die Bundestagswahl konkurrierten. Damals setzte sich Seitz letztlich gegen Michael Specht (41) durch. Jetzt folgt das nächste Kräftemessen. Und die Ausgangslage ist brisant!

Kritik an Wunschkandidatin

Alexa von Künsberg (48) will neue Kreischefin der Chemnitzer CDU werden. (Archivfoto)
Alexa von Künsberg (48) will neue Kreischefin der Chemnitzer CDU werden. (Archivfoto)  © Maik Börner

Hinter vorgehaltener Hand gibt es Kritik an Saborowskis Wunschkandidatin. Seitz habe bereits zu viele Ämter, engagiere sich zu wenig im Kreisverband, heißt es aus Parteikreisen. Auch kursiert der Verdacht, sie wolle sich mit dem Vorsitz vor allem für einen aussichtsreichen Listenplatz zur Bundestagswahl 2029 in Stellung bringen.

Saborowski weist die Kritik an der Ämterfülle zurück. "Ich sehe keine Diskrepanz, dass das irgendwie alles zu viel ist. Ich sehe eher den Nutzen, den Chemnitz daraus zieht mit ihrer Person für die Zukunft." Mit dem Kreisvorsitz könne Seitz ihren Einfluss im CDU-Landesverband stärken. Das sei wichtig, um Chemnitzer Interessen durchzusetzen und das Bundestagsmandat langfristig zu sichern.

Auch Seitz selbst sieht kein Zeitproblem. "Für jedes einzelne Amt, was ich mache, habe ich mich bewusst entschieden", sagt sie. "Ja, ich schaffe das und ja, ich bin da und ja, ich mache das." Natürlich werde der Kreisvorsitz zusätzliche Zeit kosten. Doch vieles greife ineinander.

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Wie sehr sie trotz Bundestagsmandat mit ihrem bisherigen Leben verbunden sei, zeige sich ausgerechnet an der Wursttheke! "Bis kurz vor um zehn habe ich unten in der Fleischerei gestanden, habe noch Schinken gesalzen und habe noch Lake angerührt", erzählt Seitz über ihren Vormittag. Das Handwerk halte sie auf dem Boden.

Von Künsberg lässt sich davon nicht beeindrucken. "So eine verantwortungsvolle Aufgabe des Kreisvorsitzes verlangt den vollen Einsatz. Ganz viel Zeit und viel Kraft und viel vor Ort sein", sagt sie. Sie schätze Seitz' Arbeit im Bundestag, doch deren zahlreiche weitere Verpflichtungen seien ebenfalls zeitintensiv.

Richtungsstreit zeichnet sich ab

Bundestagsabgeordnete Nora Seitz (42) kandidiert auch für den Kreisvorsitz.
Bundestagsabgeordnete Nora Seitz (42) kandidiert auch für den Kreisvorsitz.  © Thomas Türpe

Von Künsberg fordert mehr Präsenz auf der Straße, eine bessere Mitgliederbetreuung und eine stärkere CDU in den sozialen Medien. "Wir müssen jetzt Gas geben", sagt sie. "Wir brauchen mehr Mitglieder. Wir brauchen mehr Präsenz auf der Straße, im Netz, überall."

Auch Seitz verspricht frischen Wind. Die CDU müsse wieder wachsen und deutlicher zeigen, wofür sie stehe. "Mein Angebot an die CDU Chemnitz ist meine breite Aufstellung", erklärt sie. Ihre Erfahrung als Handwerksunternehmerin, ihre Bundestagsarbeit und ihre Kontakte wolle sie einbringen. Gerade ostdeutsche Interessen müssten in Berlin stärker gehört werden.

Inhaltlich setzt von Künsberg auf solide Stadtfinanzen, eine kritischere Betrachtung steigender Sozialausgaben und endlich einen besseren Bahnanschluss für Chemnitz. Sie wird dem konservativen Parteiflügel zugerechnet. Zeichnet sich hier also ein Richtungsstreit ab?

Saborowski widerspricht entschieden. "Ich sehe keine großen Unterschiede zwischen Frau von Künsberg und zwischen Frau Seitz", sagt sie. Beide verträten wirtschaftliche Interessen. Unterschiedliche politische Lager erkenne sie nicht.

Am Freitag ab 18 Uhr haben die CDU-Mitglieder auf dem Kreisparteitag im Luxor das letzte Wort.

Erstmeldung: 29. Oktober, 14.54 Uhr, zuletzt aktualisiert: 16.23 Uhr

Titelfoto: Bildmontage: Maik Börner, Thomas Türpe

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