Zerlegt sich die AfD in Chemnitz jetzt selbst? "Dass gewisse Auftritte der Partei schaden, ist nicht abzustreiten"

Chemnitz - "Pfui Teufel, den Namen haben Sie nicht verdient!" Mit diesem Satz machte Nico Köhler (50), Chef der AfD-Stadtratsfraktion im Chemnitzer Stadtrat, öffentlich, wie tief der Riss durch die Chemnitzer AfD inzwischen ist. Zerlegt sich die Partei bald selbst?

Nico Köhler (50), Chef der AfD-Stadtratsfraktion  © Kristin Schmidt

Der Angriff Köhlers, der auch Kreis-Chef der Partei ist, galt Volker Dringenberg (54), dem Vorsitzenden der konkurrierenden AfD-Ratsfraktion. Den Namen seines Rivalen nannte Köhler nicht – im Saal wusste trotzdem jeder, wer gemeint war.

Kurz zuvor hatte Dringenberg vorgeschlagen, an der TU ein wehrtechnisches Institut aufzubauen, dafür die Friedensklausel zu streichen und Unternehmen nach Chemnitz zu locken.

Für Köhler war damit eine rote Linie überschritten. Dringenberg konterte später: "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold."

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Der offene Schlagabtausch ist der vorläufige Höhepunkt eines Machtkampfes, der die Partei seit mehr als einem Jahr zerreißt. Im August 2025 verließen zwölf der 15 AfD-Stadträte die gemeinsame Fraktion und gründeten unter Dringenberg die AfD-Ratsfraktion.

Köhler blieb mit zwei Mitstreitern zurück. Heute sitzt Dringenbergs Truppe in Rathauszimmer 111, Köhlers Trio in Zimmer 106. Nur fünf Zimmernummern liegen dazwischen – politisch sind es Welten.

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Seit dem Eklat 2025 sitzt die AfD-Ratsfraktion im Sitzungssaal vorn, die AfD-Stadtratsfraktion rund um Nico Köhler hinten.  © Kristin Schmidt
2024 gab es noch eine geschlossene AfD-Fraktion im Chemnitzer Stadtrat. (Archivfoto)  © Haertelpress

AfD-Ratsfraktions-Chef Volker Dringenberg werde Konflikte "niemals im Stadtrat austragen"

Volker Dringenberg (54), Chef der AfD-Ratsfraktion  © Ralph Kunz

Dringenberg räumt auf Anfrage ein: "Dass gewisse Auftritte der Partei schaden, ist nicht abzustreiten." Seine Fraktion werde interne Konflikte jedoch "niemals im Stadtrat austragen". Nach dem jüngsten Wortgefecht klingt das gewagt. Köhler wiederum erklärt: "Die AfD ist und bleibt eine Friedenspartei." Deshalb habe er Dringenbergs Vorstoß öffentlich widersprechen müssen.

Auch beim Feiern herrscht Trennung. Zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt veranstalteten beide Lager eigene Wahlpartys. Dringenberg zählte in seinem Bürgerbüro nach eigenen Angaben rund 60 Gäste. Köhler meldete fast 80 Teilnehmer bei der Feier des Kreisverbandes. Zwei Fraktionen, zwei Chefs, zwei Partys – selbst beim Jubeln findet die AfD keinen gemeinsamen Tisch mehr.

Der nächste Krach droht bei der Oberbürgermeisterwahl 2027. Köhler hat eine Mitgliederbefragung gestartet, Dringenberg vermisst bislang geeignete Kandidaten. Ob sich beide Lager auf einen Bewerber einigen, ist offen.

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