Auch andere Bundesländer setzen auf "unseren" Fluss: So begehrt ist das Wasser der Elbe

Dresden - Die Elbe ist Lebensader und Naturraum für Millionen von Menschen und Tieren. Daraus ergeben sich zunehmend mehr Konflikte - insbesondere vor dem Hintergrund von klimatischen Veränderungen und einem steigenden Wasserbedarf. Ein Blick über den sächsischen Tellerrand verschafft dabei Übersicht. Lest hier, wer den Fluss alles anzapfen möchte für Industrie oder Trinkwasserversorgung und wo der Umweltschutz zukünftig Auen und Niederungen schützen wird.

Dresden profitiert in vielerlei Hinsicht von seiner Lage an der Elbe.
Dresden profitiert in vielerlei Hinsicht von seiner Lage an der Elbe.  © 123RF

Die Elbe als Wasserspender ist begehrter denn je. In Berlin, Dresden und Magdeburg wird das "Wasserlassen" hitzig diskutiert, denn dabei steht man in Konkurrenz. Der Boom der Chipindustrie sorgt in Dresden für einen steigenden Wasserbedarf.

Vor Ort wird darum kräftig investiert: Am Standort des Wasserwerkes Hosterwitz wird unter anderem gegenwärtig eine neue Filterhalle errichtet. Das Unternehmen Sachsenenergie will künftig mehr Wasser aus der Elbe als Trinkwasser für die Dresdner Bürger aufbereiten. Zudem sei der Bau notwendig, um den "Durst" der Halbleiter-Riesen zu stillen, bis das geplante Flusskraftwerk Kaditz 2030 in Betrieb gehe. Die Filterhalle in Hosterwitz soll Ende 2026 fertig sein (Baukosten: knapp 100 Millionen Euro).

Mit wachsendem Wasserbedarf rechnet auch das Land Sachsen-Anhalt. Anhalts Umweltminister Armin Willingmann (SPD): "Mit Blick auf länger anhaltende Trockenperioden ist absehbar, dass der Wettbewerb um Wasserressourcen zunehmen wird." Schon jetzt sei das Wassersystem in seinem Land in Spitzenzeiten (an wenigen Tagen im Jahr) zu 97 Prozent ausgelastet. Nach Angaben des Kompetenzzentrums Wasserwirtschaft hat sich im mitteldeutschen Raum der Wasserbedarf trotz sinkender Bevölkerungszahlen stark erhöht.

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Für die nächsten Jahre erwartet man einen weiteren Mehrbedarf von rund 35 Millionen Kubikmetern Wasser pro Jahr.

Der Industriesammler Nord dient zukünftig als zentrale Abwasser-Trasse für die Chip-Industrie im Dresdner Norden.
Der Industriesammler Nord dient zukünftig als zentrale Abwasser-Trasse für die Chip-Industrie im Dresdner Norden.  © Thomas Türpe

100 Jahre alte Idee wieder nach vorn gespült

Blick auf das Wasserwerk Dresden Hosterwitz.
Blick auf das Wasserwerk Dresden Hosterwitz.  © Imago

Sachsen-Anhalt plant, in den kommenden Jahren 116 Millionen Euro in die Hand zu nehmen für eine zukunftsfähige Wasserversorgung. Die Bundeshauptstadt Berlin und das Land Brandenburg mit dem Spreewald sind große Fans der über 100 Jahre alten Idee, die beiden Flüsse Elbe und Spree durch einen Überleiter zu verbinden.

Die Idee wurde wieder nach vorn gespült im Zusammenhang mit der Rekultivierung der Braunkohletagebaue in der Lausitz und dem geplanten Kohleausstieg.

Die Spree speist sich bis zu 75 Prozent aus dem abgepumpten Wasser der Braunkohletagebaue. Da absehbar ist, dass diese "Quellen" versiegen, wachsen die Sorgen, dass der Spreewald und Berlin dann auf dem "Trockenen" sitzen könnten. Das Umweltbundesamt hat zum Thema Elbe-Spree-Überleiter eine Studie erarbeitet.

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Drei Varianten werden darin diskutiert. Favorisiert wurde schlussendlich die Variante eines unterirdischen Rohres, das von Bad Schandau aus Wasser bis in den Raum Bautzen zur Spree leitet. Experten rechnen mit Baukosten von mehreren 100 Millionen Euro für das Projekt. Ab Planungsstart muss mit mindestens 20 Jahren gerechnet werden, bis der Überleiter fertig wäre.

"Längst ist Wasser mehr als ein Lebensmittel. Es ist auch ein ganz wesentlicher Faktor für Wirtschaft und Industrie geworden", sagt Sachsens Umweltminister Georg-Ludwig von Breitenbuch (54, CDU). Er setzt Wasser- dem Ressourcenmanagement gleich. "Alle Ressorts müssen da an einem Strang ziehen", so der Minister.

Goldenes Nass: Wasser ist eine begehrte Ressource. (Symbolfoto)
Goldenes Nass: Wasser ist eine begehrte Ressource. (Symbolfoto)  © 123RF

Kritik am Ausbau der Wasserstraße

Ein Frachtschiff aus Tschechien 2025 bei der Fahrt unter der teileingestürzten Carolabrücke.
Ein Frachtschiff aus Tschechien 2025 bei der Fahrt unter der teileingestürzten Carolabrücke.  © DPA/Robert Michael

Die Elbe als Bundeswasserstraße macht schwere Zeiten durch. Lange Phasen von Niedrigwasserständen beeinträchtigten die Schifffahrt in den vergangenen Jahren. Der Güterumschlag an den Binnenhäfen ist rückläufig. "Der Klimawandel hat die Elbe fest im Griff – zehn Monate Niedrigwasser gehören zur neuen Realität", warnt Felix Ekardt, Sachsens BUND-Vorsitzender.

"Die vertiefte Wasserstraße verstärkt die Folgen der Trockenheit, weil sie wie ein gigantischer Entwässerungskanal wirkt. Das Bundesverkehrsministerium muss jetzt handeln und die Sohlerosion stoppen, damit die Flusslandschaft ihre natürliche Schwammfunktion zurückgewinnt."

Von 2013 bis 2022 wurden in die Wasserstraße Elbe und ihre Verwaltung rund 430 Millionen Euro investiert. Trotzdem verbesserte sich die Schiffbarkeit nicht. Ekardt: "Weitere Baumaßnahmen zum Erreichen der benötigten Fahrrinnentiefe führen nicht zu besserer Befahrbarkeit, wenn das Wasser fehlt. Stattdessen gefährden sie wertvolle Auenwälder und Altwasser, die dringend Wasser benötigen."

Er hält es für "unausweichlich", dass die Elbe-Politik neu gedacht wird. Die Zukunft sollte dem Tourismus auf und an der Elbe gehören.

Spielende Hunde in der Elbe.
Spielende Hunde in der Elbe.  © DPA

Beim Umweltschutz geht noch mehr

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es noch rund 200 Elbe-Biber. Jetzt sind es über 3000 Exemplare.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es noch rund 200 Elbe-Biber. Jetzt sind es über 3000 Exemplare.  © dpa/Klaus-Dietmar Gabbert

Die Elbe musste zu DDR-Zeiten jährlich 23 Tonnen Quecksilber, 120 Tonnen Blei, 380 Tonnen Kupfer, 2000 Tonnen Zink und 3,5 Millionen Tonnen Chlorid aufnehmen. Der Fluss war tot. Es grenzt an ein Wunder, dass der Strom heute - dank enormer Anstrengungen - wieder fischreich ist und man dort baden kann. Jubel ist aber trotzdem nicht angebracht.

Der Elbe als Naturraum droht die Verarmung - etwa durch Wasserknappheit und Bauprojekte. Mit Initiativen und Projekten stemmt sich der Umweltschutz dagegen. Das neueste Großprojekt geht man im Landkreis Wittenberg an: Dort sollen Auen an Elbe und Schwarzer Elster revitalisiert werden.

Geplant ist, ehemals abgeschnittene Altarme und Altwässer zu renaturieren und wieder an die Flussläufe anzubinden, berichtet ein Sprecher des Magdeburger Umweltministeriums. Das Projekt ist zwischen Pretzsch, Jessen und Gallin (Fläche: über 4452 Hektar) zu verorten. Die Heinz Sielmann Stiftung hat dabei die Federführung übernommen in enger Abstimmung mit der Verwaltung des Biosphärenreservats Mittelelbe.

Bis 2035 sollen für rund 71 Millionen Euro Maßnahmen für mehr Wasserrückhalt und Schutz der Artenvielfalt umgesetzt werden. Die ersten Schritte wurden bereits gemeistert. Der Pflege- und Entwicklungsplan für das Projektgebiet steht.

Titelfoto: Bildmontage/123rf (2)

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