Hoher Stein für lange Zeit zu: So schlimm wüteten die Vandalen im Aussichtsturm

Dresden - Der beliebte Aussichtsturm Hoher Stein mit Blick über den Plauenschen Grund muss geschlossen bleiben. Vandalen hatten das Kleinod heimgesucht und auch im Inneren randaliert. Für die Reparatur fehlt der Stadt das Geld. Aber selbst wenn die Schäden beseitigt werden, kann der Turm wohl nicht mehr wie gewohnt öffnen.

Hinten verläuft die Autobahnbrücke über die Weißeritz: So schön sieht der Blick Richtung Freital aus.
Hinten verläuft die Autobahnbrücke über die Weißeritz: So schön sieht der Blick Richtung Freital aus.  © Petra Hornig

Dass sich Störenfriede an dem beliebten Ausflugsziel und Erholungsort im Grünen herumtreiben, ist kein neues Phänomen. Seit etwa zwei Jahren habe man zunehmend Probleme mit Vandalismus, sagt Borries Trommer (55) vom Stadtgrünamt, der sich mit seinem Team um die städtischen Aussichtstürme kümmert.

Erst wurden Holzlatten der nahen Parkbänke abmontiert und verfeuert, dann wurde der hölzerne Zaun um den markanten Felsen - ein bedeutendes Naturdenkmal (siehe Infokasten) - zerlegt. Und nun war der Turm "an der Reihe".

Die Täter rissen einen Schachtdeckel aus dem Boden und schlugen damit offenbar Teile der Sandstein-Fassade kaputt, auf der Aussichtsplattform beschädigten sie die steinerne Brüstung.

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Im Inneren des Turms mit Wendeltreppe beschädigten sie Verteilerkasten und Lichtschalter, sodass jetzt Stromkabel aus der Wand heraushängen. "Die Verkehrssicherheit ist so nicht mehr gegeben", bedauert Trommer. Er schätzt die Schäden an Turm und Elektroanlage auf 10.000 bis 15.000 Euro.

Man habe ohnehin schon nur wenig Geld für den Unterhalt der Baulichkeit. Dann seien solche Schäden umso ärgerlicher, sagt er. Da außerdem noch die Haushaltssperre gilt, rechnet Trommer mit monatelanger Schließzeit.

Borries Trommer (55) vom Stadtgrünamt begutachtet auf der Aufsichtsplattform die Vandalismus-Schäden.
Borries Trommer (55) vom Stadtgrünamt begutachtet auf der Aufsichtsplattform die Vandalismus-Schäden.  © Petra Hornig
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Geologisches Naturdenkmal: Vor Millionen von Jahren entstand der "Hohe Stein" als Brandungsklippe des damaligen Kreidemeeres.
Geologisches Naturdenkmal: Vor Millionen von Jahren entstand der "Hohe Stein" als Brandungsklippe des damaligen Kreidemeeres.  © Petra Hornig

Wie geht es künftig mit dem Turm weiter?

Lichtschalter abgefetzt: Wegen heraushängender Elektrokabel ist die Verkehrssicherheit im Inneren nicht mehr gegeben.
Lichtschalter abgefetzt: Wegen heraushängender Elektrokabel ist die Verkehrssicherheit im Inneren nicht mehr gegeben.  © Petra Hornig

Zwar ermittelt die Polizei wegen Sachbeschädigung, doch für ihre Schäden aufkommen werden die Übeltäter wohl kaum. "Aber selbst wenn wir alles repariert haben, stellt sich die Frage, wie wir künftig mit dem Turm umgehen", erklärt Trommer.

Am bisherigen Öffnungskonzept könne man nach der Tat kaum festhalten. Denn anders als bei den anderen städtischen Aussichtspunkten im Süden - Fichteturm und Bismarcksäule - blieb der Hohe Stein ohne Aufsichtsperson.

Diese war nur gekommen, um die Turmtüre früh (10 Uhr) auf- und abends (18 Uhr) wieder abzuschließen. Früher hatten diese Aufgabe sogar Anwohner im Viertel (ehrenamtlich) übernommen.

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Nun musste Trommer den Turm "bis auf Weiteres" verriegeln, ein Aushang klärt darüber auf. "Wir wären gerne hineingegangen, das ist doch völlig sinnlos", ärgern sich die Besucher Rike (61) und Sebastian Zettel (64) vom Bodensee über den Vandalismus.

Im Internet werden bereits Hilfsangebote laut: Wer unterstützen oder spenden will, soll sich im Rathaus unter Tel. 0351/4 88 28 71 oder [email protected] melden.

Auch Teile der Sandsteinbrüstung schlugen die Täter ab.
Auch Teile der Sandsteinbrüstung schlugen die Täter ab.  © Petra Hornig
Vor verschlossener Türe: Besucher Sebastian (64) und Rike Zettel (61) vom Bodensee ärgern sich über die Vandalen.
Vor verschlossener Türe: Besucher Sebastian (64) und Rike Zettel (61) vom Bodensee ärgern sich über die Vandalen.  © Petra Hornig

Schmiedemeister baute ersten Turm

Historische Aufnahme mit Blick von Dölzschen aus.
Historische Aufnahme mit Blick von Dölzschen aus.  © Petra Hornig

Vor Millionen von Jahren entstand der "Hohe Stein" als Brandungsklippe des damaligen Kreidemeeres.

Davon zeugen laut Stadt fossile Reste von Muscheln, Seeigeln und anderen Meeresbewohnern. Darum ist der 190 Meter hohe Fels ein geologisches Naturdenkmal von internationaler Bedeutung.

Der Name Hoher Stein wurde durch den Verkauf eines Ackergrundstücks 1640 erstmals erwähnt. 1862 gelangte das Grundstück für 600 Taler in den Besitz des Schmiedemeisters Friedrich August Frohberg, der dort die Wirtschaft "Zum Hohen Stein" und danach den Aussichtsturm errichtete.

Im Zweiten Weltkrieg musste die obere Plattform aus strategischen Gründen verschlossen werden. Nach der Wende verfiel er immer weiter, wurde 1996 gesperrt.

Nach historisch getreuer Sanierung (mit Lochmauerwerk) 2003 stand der Turm Besuchern wieder offen - bis jetzt.

Titelfoto: Petra Hornig

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