Dresden - Plötzlich muss die Bahn halten. Dann fliegen Steine! Fahrgäste der Linie 13 werden in der Silvesternacht am Bischofsplatz unfreiwillig Zeugen einer chaotischen Aktion: Barrikaden brennen, Vermummte randalieren. Ein Sprayer macht die Straßenbahn kurzerhand zur illegalen Leinwand.
Kurz nach Mitternacht versammelten sich rund 50 Personen an der Haltestelle "Bischofsplatz" in Dresden und setzten Mülltonnen in Brand.
Die Straßenbahn der Linie 13 musste stoppen: "Weil die brennenden Barrikaden und Steine auf dem Gleis sie aufhielten." Der Fahrer habe dabei völlig richtig gehandelt "und die Betriebsleitstelle verständigt", erklärt Christian Schmidt (48), Sprecher der Dresdner Verkehrsbetriebe. Verletzt wurde niemand.
Doch die Passagiere wurden zu Zuschauern eines kuriosen Moments: Ein maskierter Mann eilte zur stehenden Bahn, zückte eine Spraydose und hinterließ mehrere schwarze Schriftzüge. Auch die entgegenkommende Bahn musste aufgrund der lodernden Straßensperre halten und wurde von dem Vandalen beschmiert.
"Eine Zuordnung, ob der Graffititäter auch Teil der vermummten Barrikadenbauer war, ist nicht sicher, aber wahrscheinlich", teilte die Dresdner Polizei zum aktuellen Ermittlungsstand mit.
Graffiti mit Spezialreinigungsmittel entfernt
Neben der Straßenbahn wurden auch ein Haltestellenhäuschen sowie eine Hausfassade mit sichtlich ähnlichen Sprüchen beschmiert.
Nur einen Tag nach dem Anschlag waren beide Straßenbahnen der Linie 13 am Freitag wieder im Einsatz: "Beide Graffiti konnten in Handarbeit mit Spezialreinigungsmittel wieder beseitigt werden. Die Kosten belaufen sich auf rund 2000 Euro", so Schmidt.
Für die weiteren Ermittlungen werden die Videoaufnahmen und Zeugenaussagen ausgewertet, was "einige Zeit in Anspruch nehmen kann", so der Polizeisprecher.
Zeugenaussagen an die Dresdner Polizei: 0351/4832233.