Nacktheit im Wandel: Künstler zeigt "Aktfotokunst heute" im Dresdner Kunstkeller

Von Lilli Vostry

Dresden - Das Körperbild ist im Wandel. Nacktheit wird nicht versteckt, aber auch nicht mehr völlig freimütig gezeigt. Es geht mehr um Blicke auf Geschlechterrollen, Weiblich- und Männlichkeit, deren Grenzen immer mehr verfließen. Modern, jung und streitbar trifft zeitgenössische Aktfotografie auf in der neuen Jahresausstellung "Aktfotokunst heute" im Museum aktfotoARTdresden im Kunstkeller (Radeberger Straße 15).

Museums-Chef und Fotograf Volkmar Fritzsche (85) in der Ausstellung.  © Holm Helis

Zehn Fotokünstlerinnen und -künstler aus Deutschland, alle zum ersten Mal dabei, zeigen derzeit dort ihre Werke. "Es geht um Haltungen, Formen und spielerische Kompositionen, die mit dem Körper möglich sind", sagt Volkmar Fritzsche (85), Fotokünstler und Betreiber des Museums.

"Ich bin froh, dass ich wieder eine Ausstellung an die Wände gebracht habe", ergänzt er. Trotz seines Alters plane er nicht aufzuhören. "Ich lasse mich vom Leben leiten, davon, was ich machen kann, entsprechend meiner gesundheitlichen Verfassung."

Aus den eingereichten Arbeiten wählte er gemeinsam mit Solvig Frey, der Vorsitzenden des Fördervereins "Freundeskreis Museum Aktfotokunst Dresden" e. V., und Thoralf Möhlis, Fotograf aus Riesa, jeweils sechs Arbeiten von jedem Fotokünstler aus.

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Alle Bilder haben das gleiche Blattformat, um eine bessere Vergleichbarkeit der künstlerischen Handschriften zu schaffen. "Wir möchten natürliche Körperbilder gegenüberstellen, ästhetisch und ohne sexistische Tendenzen", so Fritzsche.

"Der Blick auf das schwarze Dreieck, das bei bekannten Aktfotografen wie Günter Rössler ganz natürlich sichtbar war, wird weitgehend vermieden. Die unbekümmerte Haltung zum Aktfoto, die in den 90er-Jahren noch prägend war, hat sich deutlich verändert."

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Große Bandbreite an Fotografien

Volkmar Fritzsche (85) denkt nicht ans Aufhören.  © Holm Helis

Die Bandbreite in der Ausstellung reicht von klassischer Schwarz-Weiß-Fotografie über Körperlandschaften und -ausschnitte und vereinzelt auch noch dem Ganzakt. Die Arbeiten stammen etwa von dem Fotografen und Videojournalisten Adam Beyer aus Wilsdruff oder Corado Stock aus Halberstadt. Sehr atmosphärisch sind die Frauenakte in der Natur von Dirk Brune aus Nordrhein-Westfalen.

Das Museum in Dresden ist deutschlandweit der einzige Ausstellungsort, an dem permanent Aktfotokunst zu sehen ist, so Fritzsche. Seit 2019 entsteht im Museum außerdem ein Archiv von zeitgenössischer Aktfotokunst, um damit Entwicklungen für spätere Generationen zu dokumentieren und zu bewahren.

Seit 2023 wird das Konzept des Museums vom Verein unterstützt und soll weitergeführt werden, wenn Fritzsche sein Schaffen altersbedingt beendet. Volkmar Fritzsche belebte den Kunstkeller in den 90er-Jahren mit Performances mit von ihm gefertigtem Metallkörperschmuck auf nackter Haut, von dem die Models Fotos wollten.

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Das war sein Schritt in die Aktfotokunst. Fritzsche experimentiert in seinen Bildern mit verschiedenen Ausdrucksmitteln, um etwas zu schaffen, das er noch nirgends sah. Dafür nutzt er Photoshop als kreatives Werkzeug. "KI ist mir keine Versuchung", sagt er. "Was ich mache, will ich gestalten und mir nicht von irgendeinem Automaten vorgeben lassen."

Die Ausstellung "Aktfotokunst heute" ist voraussichtlich bis 27. September 2027 zu sehen.

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