Dresden - Diese Gelegenheit kommt so schnell nicht wieder! Am Sonnabend feiern die Dresdner Verkehrsbetriebe das 100. Jubiläum ihres Betriebshofes in der Friedrichstadt. Besucher erwartet nicht nur ein exklusiver Einblick in die Werkstätten, Montage-Vorführungen und der DVB-Chor. Sie können auch mit Dresdens ältestem erhaltenen Linienbus (Baujahr 1938) fahren. Der "Filmstar" tuckerte bereits in mehreren Hollywoodstreifen mit.
Das wird ein Fest! Von 10 bis 18 Uhr öffnen die DVB die Werkshallen an der Waltherstraße. Zur Eröffnung 1926 war er laut DVB der modernste Straßenbahnhof seiner Zeit.
"In sieben Stahlbetonhallen mit Oberlichtern aus Glas, die tagsüber für ausreichend Licht sorgten, konnten Bahnen auf 28 Abstellgleisen mit jeweils 80 Metern Länge geparkt werden", erklärt Sprecher Falk Lösch (61).
"Neben den Abstellhallen und der Betriebswerkstatt fanden auf dem Gelände noch Bahnhofsverwaltung, Bekleidungskammer, Fahr- und Schaffnerschule, Werksküche sowie sechs Wohnhäuser Platz."
Nach dem Krieg wurde der zerbombte Betriebshof wieder aufgebaut. Seit der Eröffnung des Straßenbahnhofs in Gorbitz 1996 dient er als Werkstatt, Wendeschleife (aktuell Linie 1) und Abstellplatz von Spezialfahrzeugen.
Jeder darf mal mitfahren
Ein ganz besonderes rollt auch Sonnabend für Sonderfahrten vor: Der "Büssing-NAG 900N" (4-Takt-Dieselmotor, 130 PS, 44 Stundenkilometer Spitze) ist 88 Jahre alt, diente als mobile Kulisse in Hollywoodproduktionen wie "Der Vorleser", der Hans Fallada-Neuverfilung "Jeder stirbt für sich allein" von 2016 (mit Daniel Brühl) oder auch der Erfolgsserie "Babylon Berlin".
"Jede Stunde können Gäste mit dem Filmstar eine kleine Runde um den Block drehen", sagt Lösch. "Bei großem Andrang wird häufiger gefahren." Ein Obolus (5/3 Euro) für die Mitfahrt dient dem Erhalt der Oldtimer, um die sich der Verein "Historische Kraftfahrzeuge des Dresdner Nahverkehrs" kümmert.
"Es ist unglaublich, so alte Technik fahren zu dürfen", sagt Vereinsmitglied Paul Herrlich (25). "Keine Lenkhilfe, mit Zwischengas und der ganzen Kuppelei nicht ganz einfach."
Der hauptberufliche DVB-Busfahrer ist einer von nur zwei Dresdnern, der nach einer Spezialschulung den Oldtimer mit Fahrgästen (28 Sitzplätze) steuern darf - auch zur Jubiläumsfeier. Eintritt frei.
So kam der Bus ins Kino
Der "Büssing" war vor dem Krieg der modernste Bus in Dresden, besaß eine Karosserie mit abgerundeten Ecken und Kanten.
Gefertigt wurde er bei der "WUMAG", dem späteren VEB Waggonbau Görlitz in Ganzstahlbauweise. Neun Stück fuhren durch Dresden, nach 1945 waren noch vier einsetzbar.
Im Laufe der Zeit wurden sie ausgesondert, mit Ausnahme des letzten Originals. Der wurde zum Fahrschulwagen umgebaut und war bis 1966 in Betrieb.
Seit 1986 gehört er zur DVB-Flotte historischer Fahrzeuge, kann für Sonderfahrten angemietet werden. Etwa von Filmstudios. Für die letzten Produktionen saßen die Vereinsmitglieder sogar selbst während der Dreharbeiten am Steuer.