Dresden - Mit 74 Jahren könnte Michael Laniado eigentlich entspannt die Füße hochlegen. Stattdessen entschärft er nun Konflikte auf Dresdens Schulhöfen. Der Radiologe hat sich nach seiner Pension 2018 für ein Ehrenamt als "Senior-Streitschlichter" entschieden.
"Ich hab durch Zufall bei meinen Eltern im Haus ein Magazin gefunden, in dem ein Artikel zu Seniorpartner in School (SiS) drin war", erinnert sich Laniado.
18 Jahre leitete er die Radiologie an der Uniklinik, schon immer hat er viel mit jungen Menschen zusammengearbeitet: "Ich habe auch gelehrt und dachte, das Ehrenamt würde mir Freude machen. Ich mag Kinder auch sehr gerne."
Also bewarb er sich 2019 bei der "SiS". Doch nicht jeder kann Senior-Schlichter werden: "Man muss vorher Module absolvieren und ein Erweitertes Führungszeugnis einreichen", weiß der gebürtige Düsseldorfer.
Seit dreieinhalb Jahren verbringen er und eine Kollegin jeden Mittwoch zwischen 10 und 14 Uhr an der 33. Grundschule.
"Die Akzeptanz ist sehr hoch. Vertrauen aufzubauen ist ein wesentlicher Teil, um Kontakt herzustellen, sonst kommen sie gar nicht auf uns zu", erklärt der Streitschlichter.
"Senior-Streitschlichter": Für Michael Laniado ist das Ehrenamt ein Herzensprojekt
Damit die Ehrenamtlichen auch im Gedächtnis der Schüler bleiben, stellen sie sich jedes Schuljahr wieder vor.
Hauptaufgabe der "SiS" sind Mediationen: "Die häufigste Konstellation ist, dass zwei Kinder im Streit miteinander sind. Die Gespräche sind freiwillig."
Das Wichtigste sei zuzuhören, unparteiisch und nicht etwa belehrend zu sein. "Die Kinder sollen die Lösungen im Gespräch finden. Streit gehört zum Miteinander, aber in einer Form, die nicht verletzend ist."
Für Michael ist das Ehrenamt mittlerweile ein Herzensprojekt: "Ich nehme auch mal was im positiven Sinne mit nach Hause. Auch die Zusammenarbeit mit Schulleiterin Frau Mathew und der Schulsozialarbeiterin ist fantastisch", schwärmt der Schlichter. Infos: seniorpartnerinschool.de