Früher war er Radiologe: Michael (74) ist jetzt beim Streit unter Schülern zur Stelle

Dresden - Mit 74 Jahren könnte Michael Laniado eigentlich entspannt die Füße hochlegen. Stattdessen entschärft er nun Konflikte auf Dresdens Schulhöfen. Der Radiologe hat sich nach seiner Pension 2018 für ein Ehrenamt als "Senior-Streitschlichter" entschieden.

Das Klima an der 33. Grundschule sei sehr gut. Vor allem die Arbeit der Lehrer begeistere den "Senior-Streitschlichter" immer wieder. Doch wie überall, "tun sich eben manche Kinder schwer, entweder schulisch oder im Sozialverhalten", erklärt Michael Laniado (74).  © Eric Münch

"Ich hab durch Zufall bei meinen Eltern im Haus ein Magazin gefunden, in dem ein Artikel zu Seniorpartner in School (SiS) drin war", erinnert sich Laniado.

18 Jahre leitete er die Radiologie an der Uniklinik, schon immer hat er viel mit jungen Menschen zusammengearbeitet: "Ich habe auch gelehrt und dachte, das Ehrenamt würde mir Freude machen. Ich mag Kinder auch sehr gerne."

Also bewarb er sich 2019 bei der "SiS". Doch nicht jeder kann Senior-Schlichter werden: "Man muss vorher Module absolvieren und ein Erweitertes Führungszeugnis einreichen", weiß der gebürtige Düsseldorfer.

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Seit dreieinhalb Jahren verbringen er und eine Kollegin jeden Mittwoch zwischen 10 und 14 Uhr an der 33. Grundschule.

"Die Akzeptanz ist sehr hoch. Vertrauen aufzubauen ist ein wesentlicher Teil, um Kontakt herzustellen, sonst kommen sie gar nicht auf uns zu", erklärt der Streitschlichter.

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Die 2008 gegründete "Seniorpartner in School Sachsen" hat insgesamt 65 Mediatoren an 27 Schulen.  © Jacqueline Grünberger
Die 33. Grundschule ist eine von sieben Dresdner "SiS"-Partnerschulen. Der "Senior-Schlichter" ist dabei immer wieder begeistert, wie freundlich die Kinder sind. "Manche umarmen einen auch zur Begrüßung."  © Norbert Neumann

"Senior-Streitschlichter": Für Michael Laniado ist das Ehrenamt ein Herzensprojekt

In Mediationsgesprächen versuchen die Streitschlichter, Empathie auszulösen, indem sie die Kinder fragen, wie sie sich fühlen würden, wenn ihnen etwas Ähnliches passiert wäre.  © imago/photothek

Damit die Ehrenamtlichen auch im Gedächtnis der Schüler bleiben, stellen sie sich jedes Schuljahr wieder vor.

Hauptaufgabe der "SiS" sind Mediationen: "Die häufigste Konstellation ist, dass zwei Kinder im Streit miteinander sind. Die Gespräche sind freiwillig."

Das Wichtigste sei zuzuhören, unparteiisch und nicht etwa belehrend zu sein. "Die Kinder sollen die Lösungen im Gespräch finden. Streit gehört zum Miteinander, aber in einer Form, die nicht verletzend ist."

Mit dieser "Friedensbrücke", die von den Kindern selbst bemalt wurde, können die Schüler im Streitgespräch schrittweise – von "blau": "Was hab ich gesehen?" bis hin zu "grün": "Handschlag" – aufeinander zugehen.  © Bildmontage: Jacqueline Grünberger

Für Michael ist das Ehrenamt mittlerweile ein Herzensprojekt: "Ich nehme auch mal was im positiven Sinne mit nach Hause. Auch die Zusammenarbeit mit Schulleiterin Frau Mathew und der Schulsozialarbeiterin ist fantastisch", schwärmt der Schlichter. Infos: seniorpartnerinschool.de

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