Graffiti-Projekt in der Johannstadt: Bald wird die Kunst zum Abriss freigegeben

Dresden - Ab Samstag wird es bunt in der Johannstadt: Hier ist in den vergangenen eineinhalb Jahren mit "House of Colors" ein einzigartiges Graffiti-Kunstwerk mitten in den unbewohnten Häusern der Nicolaistraße 18 und 20 entstanden.

Das Quartier Nicolaistraße 18 und 20 ist dem Abriss nahe. Bis dahin wurde die Fassade von Künstlern wie "Bonnie und Klit", "Caparso Bandits" oder "Slidelfy" aufgehübscht.  © Ove Landgraf

Nun dürfen Neugierige einen Blick hineinwerfen, während Künstler aus aller Welt den 20 Wohnungen den letzten Anstrich verpassen. Denn die Krux: Das Haus ist dem Abriss geweiht.

Verantwortlich für den Hingucker am Fetscherplatz ist das "House of Urban Culture" (HOUC). Der Dresdner Kulturträger bemüht sich dabei, alles rund um die Hip-Hop-Szene wie Graffiti und Breakdance unter einen Hut zu bekommen.

Dank eines offenen Aufrufs haben sich in dem Quartier nicht nur Dresdner Graffiti-Urgesteine verewigt: "Amis, Chilenen, Finnen, Ukrainer, Berliner und noch mehr. Deshalb schlägt das Projekt auch so Wellen. Alle Künstler tragen das ja dann in ihre Heimat", so Ellen Demnitz-Schmidt (67) stolz.

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Sie ist dabei schon seit mehr als 30 Jahren in der Street-Art-Szene unterwegs und hat sich mit dem Verein "Spike" mit legalen Graffiti-Flächen beschäftigt.

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"House of Urban Culture (HOUC)"-Chefin Ellen Demnitz-Schmidt (67) betont: "Dresden ist bereit für urbane Kunst."  © Ove Landgraf
Je nach Lichtverhältnissen wird das Haus in der Johannstadt eventuell bis Mitte September mittwochs und samstags für alle geöffnet.  © Ove Landgraf
Die insgesamt 20 Wohnungen sind nicht nur besprüht. Es gibt auch Schablonen-Kunst, selbst gestaltete Aufkleber aus Papier oder Street-Art-Toiletten, die nicht mehr zum Sitzen einladen.  © Ove Landgraf

"HOUC" lädt zur Eröffnung mit Musik und Snacks

Jede leer stehende Wohnung wurde von Sprayern auf ihre Art gestaltet. So wird man in dunklen Räumen mit Schwarzlicht-Graffiti überrascht. Lampe nicht vergessen!  © Ove Landgraf

Dass das "HOUC" nun wieder die Möglichkeit bekommen hat, "Kunst auf Zeit" an einem Abrisshaus zu erschaffen, verdanken sie der Wohnungsgenossenschaft Aufbau.

"Sie haben uns auf der Schlössernacht angesprochen", erinnert sich die Chefin. "Eigentlich hatten wir für so ein Konzept keine Zeit, kein Geld. Aber nicht machen, war auch keine Option."

Ende 2024 wurde das Haus dann also übergeben. Seither wurden Räume mit Samt eingekleidet, Badezimmer versilbert oder Schwarzlicht-Porträts gesprüht.

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Gerade die Nachbarschaft ist enttäuscht, dass die Kunst nicht dauerhaft bleibt: "Doch genau das passt zu Street-Art." Dabei kamen selbst Anwohner mit Rollator zur Vor-Eröffnung, "die hier früher in dem Haus gewohnt haben. Sie fanden es auch alle sehr schön."

Am heutigen Samstag lädt das "HOUC" zwischen 16 und 20 Uhr bei Musik und Snacks zur Eröffnung. Nach dem Stadtfest (14. bis 16. August) können die beiden Gebäude dann zu bestimmten Zeiten ebenfalls begutachtet werden. Infos: houc.de

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