Dresden - Die berühmte Darstellung eines jungen Mädchens, das am Fenster einen Brief liest – "Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster" von Johannes Vermeer – ist nicht nur ein ikonisches Werk des niederländischen Meisters des 17. Jahrhunderts, sondern auch Gegenstand eines intensiven Restaurierungsprojekts, das zwischen 2017 und 2021 an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) durchgeführt wurde.
Im Anschluss daran ist nun ein Buch erschienen, das die Restaurierung und die damit verbundenen kunsthistorischen, wissenschaftlichen und technischen Erkenntnisse dokumentiert.
Tatsächlich waren die Restaurierung und die ihr zugrunde liegenden Erkenntnisse nichts weniger als eine kunsthistorische Sensation.
Vermeers Gemälde, um 1657 bis 1659 entstanden, gehört seit 1742 zur Sammlung der Dresdner Gemäldegalerie.
Bei Röntgenaufnahmen war sichtbar geworden, dass ein Bild-im-Bild im Hintergrund existiert, das später übermalt worden war.
Buch im Handel zum Preis für 34 Euro
Diese unter der Retusche verborgene Darstellung zeigt einen Liebesgott (Cupido), was auf eine tiefere Bedeutung des Gemäldemotivs hindeutete.
Im Zuge der Restaurierung wurde die Übermalung entfernt, da sich herausstellte, dass sie nicht von Vermeer selbst stammte, sondern erst Jahrzehnte nach seinem Tod aufgebracht worden war.
So trat die ursprüngliche Komposition wieder zutage: Der Cupido im Hintergrund ergänzt das Bild nicht nur visuell, sondern verändert auch die Lesart der Szene.
Die Publikation mit dem Titel "Johannes Vermeer. Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster: Restaurierung und maltechnische Untersuchungen" ist bei Sandstein erschienen und gehört zur Reihe "Das restaurierte Meisterwerk" (Band 9).
Herausgeber sind die SKD gemeinsam mit Oberkonservatorin Uta Neidhardt und Restaurator Christoph Schölzel. Im Handel zum Preis von 34 Euro.