Zwei Festräume vollendet: Schlüsselübergabe im Dresdner Residenzschloss
Dresden - Sportreporter würden vom Schlussspurt sprechen: Seit 40 Jahren wird das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Dresdner Residenzschloss wiederaufgebaut. Nun sind zwei Festräume der sächsischen Herrscher fertiggestellt und wurden den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) feierlich übergeben. Jetzt noch eine letzte Kraftanstrengung: Bis Ende 2027 soll wirklich alles vollendet sein.
Es ist der Abschluss eines gewichtigen Kapitels sächsischer Geschichte: Mit dem Großen Ballsaal und dem Propositionssaal bekommt das Schloss zwei prunkvolle Räume zurück. Am Freitag wurden sie den SKD zur Nutzung übergeben.
Sie sollen ab April Teil der neuen Dauerausstellung mit dem Titel "Masken und Kronen. Festkultur und Machtrepräsentation am Dresdner Hof" sein. Erstmals seit dem Krieg wird dem Publikum der Rundgang im zweiten Obergeschoss dann wieder vollständig zugänglich sein.
Eine jahrzehntelange Aufbauarbeit ist damit abgeschlossen. Nach Angaben des sächsischen Finanzministers Christian Piwarz (50, CDU) kostete die Wiederherstellung der beiden Säle insgesamt rund 21 Millionen Euro. 4,6 Millionen davon stammten vom Bund, 16,4 Millionen Euro stellte der Freistaat Sachsen bereit.
Bis zu Fertigstellung aller Bereiche des Residenzschlosses im Jahr 2027 würden voraussichtlich 407 Millionen Euro in die Rekonstruktion geflossen sein - seit 1987. Gut 40 Jahre lang lag das Schloss bis dahin als ausgebrannte Ruine im Herzen der Stadt, so Piwarz. Er könne sich selbst noch daran erinnern, als Kind diese "offene Kriegswunde" erlebt zu haben.
SKD-Generaldirektor spricht von "Meilenstein auf dem Weg zur Vollendung des Residenzschlosses"
Eine "großartige Gemeinschaftsleistung" sei laut Piwarz nun zu bewundern, gelungen durch die Bündelung vieler Kompetenzen, historischer Experten und moderner Handwerkskunst.
Für Bernd Ebert (54), Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), markiert die Übergabe der Räume einen "Meilenstein auf dem Weg zur Vollendung des Residenzschlosses." Mit dem Abschluss der Baumaßnahmen im Nordflügel werde in diesem Jahr die Neugestaltung des Schlosshofes fortgesetzt.
Ebert dankte Geldgebern, den Architekten und allen Gewerken. Das Bekenntnis zum Wiederaufbau sei ein kulturpolitisches Signal gewesen, das Engagement des Freistaates suche seinesgleichen.
"Es war ein Kraftakt über die letzten Jahrzehnte und letztlich ein Vertrag für die nächsten Generationen, denn für diese Generation gilt es, dieses Schloss zu erhalten und unsere Kunstwerke - das kulturelle Herbe des Freistaates - in bestmöglicher Weise zu präsentieren", so der Generaldirektor.
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Historische Fragmente sind sichtbar geblieben
Ebert zur jahrzehntelangen Rekonstruktion: "Wir finden eine historische Anmutung, aber kein Disneyland." Heißt: Die Rekonstruktion der beiden Säle orientiert sich an gut dokumentierten Bauunterlagen; auf die Wiederherstellung der früheren Vergoldungen an Decken und Wänden sowie der monumentalen Gemälde wurde aber bewusst verzichtet.
Historische Fragmente der einstigen Zerstörung sind indes zur Gegenüberstellung sichtbar in die Rekonstruktionen integriert worden.
Noch riecht es in den alten Thronräumen nach Farbe und lasiertem Holz, doch die neue Dauerausstellung naht. Bislang sind die Objekte noch in großen, mit modernster Technik bezüglich Beleuchtung, Elektrik und Klimatisierung ausgestatteten Vitrinen geheimnisvoll verhüllt.
Dann aber, so sagt es Marius Winzeler (55) - als Direktor von Grünem Gewölbe und Rüstkammer künftiger SKD-Nutzer - werde man jene einzigartigen Preziosen zeigen, die "den Hof einst zu einem der galantesten gemacht haben."
Titelfoto: Montage: Steffen Füssel (2)

