Das Dream-Team der Comödie: TAG24-Interview mit den Theatermachern zum 30-jährigen Jubiläum

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Dresden - Die Comödie wird 30. Am Wochenende wird das - vom 4. bis 6. September - mit den drei Gala-Abenden "Aufs Haus!" und vielen prominenten Gästen gefeiert. Seit rund 15 Jahren lenken Geschäftsführer Olaf Maatz (60) und Intendant Christian Kühn (44) erfolgreich die Geschicke des Privattheaters. TAG24 sprach mit den Theatermachern.

Sind die Chefs der Dresdner Comödie: der Künstlerische Leiter Christian Kühn (44, l.) und Geschäftsführer Olaf Maatz (60).
Sind die Chefs der Dresdner Comödie: der Künstlerische Leiter Christian Kühn (44, l.) und Geschäftsführer Olaf Maatz (60).  © Robert Jentzsch

TAG24: Herr Maatz, Herr Kühn, 1996 wurde die Komödie - damals noch mit "K" geschrieben - von Jürgen Wölffer gegründet. Inwieweit haben Sie beide eine Beziehung zu dieser ersten Phase des Hauses?

Christian Kühn: Eine enge Beziehung, ich stand ja schon als Schauspieler auf der Bühne.

Olaf Maatz: Meine Beziehung beschränkt sich darauf, dass ich häufig Gast war.

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Wird diese frühe Zeit bei der Jubiläumsgala berücksichtigt?

Maatz: Wir feiern die komplette Ära des Hauses. Die Wölffer-Zeit gehört mit dazu.

2011 kam die Insolvenz - woran lag's?

Maatz: Es gab damals Bestrebungen, den Mietvertrag zu verlängern, aber man wurde sich nach dem Eigentümerwechsel nicht einig. Das Haus zu schließen war die logische Konsequenz.

War die Geschäftsführung ein Wagnis?

Maatz: Es ist bis heute ein Wagnis, aber ein schönes. Einen Spielplan zu erstellen ist wie Glaskugel lesen. Trifft man den Nerv des Publikums?

Kühn: Diese Unwägbarkeit macht unseren Beruf ja auch so spannend und unverwechselbar.

Mit dem "C" im Namen bekam die Comödie etwas Internationales

Sie haben das Komödien-"K" mit dem "C" getauscht, in Anlehnung an Dresdens erstes Comödienhaus 1667. Wieso?

Maatz: Nach der Insolvenz hieß es, es sei schwierig, mit dem "K" weiterzumachen. Mit dem "C" bekam das ganze etwas Internationales - nur in Deutschland schreibt man Komödie mit "K".

2012 holten Sie Christian Kühn ins Boot. Er löste Jürgen Mai ab, der dem ersten Theaterleiter Gerd Schlesselmann gefolgt war. Wie kam es dazu?

Maatz: Christian war schon als Künstler im Haus. Ich sah ihn erstmals in "Machos in Weiß", ein schönes Stück, um mit den üblichen Facetten zu brechen. Es gab neue Impulse für ein nachrückendes Publikum, dafür muss man sich etwas trauen. "Ziemlich beste Freunde" etwa ist ja keine klassische Komödie. Boulevard so zu präsentieren lag uns. Es gelang, Christian zu überreden, den Posten zu übernehmen.

Kühn: Ich hatte eine andere Auffassung von Komödie, kannte aber das Haus und hatte wohl das Publikum verstanden. Altersmäßig unterschied ich mich natürlich, musste meinen Stil erst finden. Dafür hatte ich freie Hand.

Was war Ihr Ansatz?

Kühn: Den Sehgewohnheiten meiner Generation zu folgen. Eine Serie wie "Sex and the City" führte etwa zu "Tussipark". Die alten Oststars kamen nicht mehr, also mussten neue Namen her, mit der meine Generation etwas anfangen konnte. Jeanette Biedermann zum Beispiel. Dazu gehörten trotzdem Nostalgie-Programme wie die "Feuerzangenbowle".

Ebenso vermehrte Eigenproduktionen?

Kühn: Nach Wölffer gab’s keine Produktionen mehr von außen. Wir mussten selber produzieren und nach Gastspielen Ausschau halten. Ich musste mir ein Netzwerk mit anderen Theatern aufbauen. Inzwischen machen wir selber Gastspielreisen.

Die Bilanz gibt Ihnen recht, Sie verbuchen seitdem steigende Besucherzahlen. Gab’s auch mal Zweifel?

Maatz: Zweifel sind gesund, wenn's nicht zu finsterer Stimmung führt. 2013/14 hatten wir einen Berater, der bremste uns, meinte, das Haus würde nie 90.000 Gäste erreichen. Nun sind es weit über 150.000 Besucher geworden.

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Dresdner Comödie blickte selbst während Corona nach vorne: "Von Berufs wegen Optimisten"

Die Comödie im WTC ist laut eigenen Angaben Sachsens größtes Privattheater
Die Comödie im WTC ist laut eigenen Angaben Sachsens größtes Privattheater  © Imago

In knapp 15 Jahren Ihrer Leitung wird es Tops und Flops gegeben haben.

Kühn: Flops sehe ich eigentlich nicht. Mir hat es am meisten Spaß gemacht, Herausforderungen zu überwinden, etwa mit dem bis dahin unbespielten Schloss Übigau umzugehen. Mein Lieblingserfolg ist sicherlich "Wanderer über dem Nebelmeer", weil’s was ganz anderes war.

Maatz: Da bin ich ganz bei Christian: „Wanderer“ ist künstlerisch die beste, herausragendste Leistung. Flops gab es vielleicht in kommerzieller Sicht, inhaltlich eher nicht. Es war nichts dabei, das es nicht wert gewesen wäre, gespielt worden zu sein.

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Stichwort Corona: War es für Sie die schwierigste Phase?

Maatz: Wir sind von Berufs wegen Optimisten und wussten daher, wir werden es meistern.

Kühn: Man muss natürlich zwischen dem wirtschaftlichen und dem künstlerischen Aspekt differenzieren: Man hatte mehr Zeit für neue Ideen. Der "Wanderer" etwa fand in der Corona-Zeit seinen Anfang.

Es gab auch die Erweiterungen: Durchgesetzt hat sich die Spielstätte Übigau.

Maatz: Mit dem Stammhaus und Übigau sind wir super aufgestellt.

Sie haben zuletzt auch Stücke mit ernsterem Hintergrund angesetzt. Wollen Sie den Boulevard-Begriff erweitern?

Kühn: Unterhaltungstheater bedeutet nicht nur Lachen, sondern auch Ergriffensein. Wenn es zum Lachen anregt und dazu bewegend ist, dann ist das meine Idealvorstellung von einem Stück.

Maatz: Bei "Honig im Kopf" etwa habe ich mehr als nur ein Tränchen verdrückt. Christian rennt bei mir mit diesen Stück-Ideen offene Türen ein.

Nun gehen Sie ins vierte Jahrzehnt Comödie. Woran dürfen Sie nicht rütteln, welche Stellschrauben werden Sie dennoch weiter justieren?

Maatz: Wir werden weiterhin künstlerisch anspruchsvoll bleiben und uns Dinge trauen, die andere nicht machen. In Übigau wird es musikalisch bleiben.

Vorher aber steht nun die runde 30 an. Mit welchem Gefühl erleben Sie das Jubiläum?

Maatz: In erster Linie Stolz!

Kühn: Überraschung aber auch. Als ich mit 29 begann, dachte ich, dass ich das vielleicht bis 40 mache, aber es geht immer weiter. Das überrascht mich schon, zumal ich noch lange nicht im Trott bin. Aber sicherlich bin ich auch stolz darauf, die turbulente Zeit mit ihren Herausforderungen gemeistert zu haben.

Titelfoto: Robert Jentzsch

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