Dresden - Mit der politischen Wende kam auch der Wandel am TU-Campus an der Nöthnitzer Straße, der bis dahin vor allem durch Sportkomplexe geprägt war. Spätestens seit der Jahrtausendwende drehen sich hier die Kräne fast unaufhörlich. Jahr für Jahr wachsen neue Forschungsgebäude aus dem Boden. Ob Max Planck, Frauenhofer oder Leibniz Institut: Der einst etwas abseits gelegene Südcampus ist inzwischen zu einer wichtigen, auch außeruniversitären Forschungs- und Technologiemeile geworden und ist "hinsichtlich räumlicher Konzentration, Forschungsvielfalt und wissenschaftlichem Renommee einzigartig", urteilt das sächsische Finanzministerium (SMF). Und die Forschungsmeile wächst weiter.
Smartphones, die während des Aufladens nicht mehr heiß werden. Supercomputer, die kaum noch Strom verbrauchen. Oder winzige elektronische Bauteile, die wie menschliche Gehirnzellen arbeiten.
An solchen Zukunftsvisionen forschen das Würzburg-Dresdner Exzellenzcluster ctd.qmat (Complexity, Topology and Dynamics in Quantum Matter) und das Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW Dresden).
Um die Forschung an neuer Halbleitertechnologie und innovativen Quantenmaterialien weiter vorantreiben zu können, entsteht in zweiter Reihe an der Nöthnitzer Straße - direkt am neuen Südpark - seit 16 Monaten ein gemeinsamer Forschungsbau.
Am vergangenen Dienstag wurde Richtfest gefeiert. "Dieses Projekt ist ein sehr gutes Beispiel, wie es laufen sollte. Alle beteiligten Partner sind erstaunlich konstruktiv miteinander umgegangen. Das muss ich wirklich loben", sagt IFW-Projektmanager Marco Heger (49).
Im Sommer 2029 soll das neue Quantenforschungsgebäude für 65 bis 70 Millionen Euro fertig sein.
30 Tonnen Edelstahl für nichtmagnetische Umgebung
"Bei einem Forschungsgebäude ist die größte Hürde, dass die komplexen technischen Anlagen so zusammenspielen, dass alle Raumanforderungen erfüllt werden", beschreibt Architekt Sebastian Schefter (49) von AWB Architekten.
Denn die hochmodernen Forschungslabore müssen einiges können. "Wir forschen unter extremen Bedingungen", erklärt Prof. Matthias Vojta (54), Dresdner Sprecher von ctd.qmat, und zählt auf: "Es wird sehr kalt, also knapp über dem absoluten Nullpunkt (0 Kelvin). Wir haben Experimente unter hohem Druck, bei hohen Magnetfeldern und zum Teil sehr schwingungsarm. Außerdem brauchen wir optische Labore mit einer lichtarmen Umgebung."
So werden unter anderem 30 Tonnen Edelstahl für das nichtmagnetische Umfeld verbaut. "Edelstahl weist sehr geringe Magnetisierungsgrade auf", erläutert Marco Heger.
Außerdem ist die Bodenplatte bis zu 1,50 Meter stark und Teil eines steifen Kastens - es wurden allein 1300 Tonnen Stahl im Beton verbaut -, welcher zur Schwingungsarmut beiträgt.
Die optischen Labore werden im Keller des viergeschossigen Gebäudes untergebracht. Insgesamt werden etwa 5000 Quadratmeter Nutzungsfläche mit Büros und Laboren entstehen, die sich TU Dresden und IFW, die schon in der Vergangenheit an gemeinsamen Projekten gearbeitet haben, etwa hälftig für ihre Forschungen teilen.
"Das IFW hat mehr chemische Labore, aber letztlich das gleiche Forschungsziel, mit nahezu identischen Anlagen", erklärt Marco Heger. Deshalb sollen in der Mitte des Gebäudes auch Flächen für den interdisziplinären Austausch der Forschenden entstehen und Synergien schaffen.
Wie geht es weiter?
Der seit 2019 entstehende Südpark - künftiges Kernstück der Bundesgartenschau 2033 - begrenzt den TU-Campus im Süden und damit die weitere Ausbreitung. "Die Potenziale der Forschungsmeile entlang der Nöthnitzer Straße sind im Wesentlichen ausgeschöpft", erklärt das SMF. Aktuell sind nur noch drei kleinere Baufelder frei.
Aber: "Der Freistaat Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden prüfen immobilienstrategische und städtebauliche Entwicklungsmöglichkeiten im Universitätscampus in der Dresdner Südvorstadt sowie an anderen Standorten in Dresden, um die außeruniversitäre Forschungslandschaft und die Exzellenzuniversität Dresden sowie die Landeshauptstadt als Wissenschaftsstandort mit internationalem Rang weiter zu stärken."