Hierzulande kennen ihn nur Experten: Maler aus Dresden ist im Fernen Osten ein Star

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Dresden - Caspar David Friedrich, Gerhard Richter, Paula Modersohn-Becker - Dresden als Stadt der Künste kann sich mit den Namen vieler großer Maler schmücken. Im Gedächtnis der Stadt haben die Meister einen festen Platz. Die Namen der Meister der Gegenwart sind hingegen nur wenigen bekannt und geläufig. Das ist ein Jammer. Im Fall von Rao Fu (48) kann man fast von einer Peinlichkeit sprechen. Der in China geborene und seit über 25 Jahren in Dresden lebende Maler ist in Asien ein Star.

Der Künstler mit Ehefrau Yini Tao (beide 48).
Der Künstler mit Ehefrau Yini Tao (beide 48).  © Wenzel Bisticka Ziechmann

Rao Fu liebt die Dresdner Neustadt. Im bunten Dreieck zwischen Albertplatz, Bischofsweg und Prießnitz fühlt er sich wohl - inzwischen.

"Seine ersten zehn Jahre in Dresden waren ganz viel Stress. Die Stadt war ihm fremd. Die Ausländerbehörde übte viel Druck aus, forderte immer wieder Nachweise - über das Studium, die Arbeit, das Einkommen", berichtet die Ehefrau des Künstlers, Yini Tao (48).

Ihr Mann spricht nicht so gern von diesen Jahren. Man spürt förmlich, wie es ihn bis heute belastet, dass er so lange um sein Aufenthaltsrecht in Dresden kämpfen musste.

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Diese harte Lebensphase hinterließ Spuren - auf seiner Seele und im Schaffen des sensiblen Künstlers. Er sagt: "Ich frage mich, wo ich heimisch bin."

In Dresden fühlt sich der Künstler heimisch

Die Werke des Künstlers Rao Fu sind oft groß und farbgewaltig.
Die Werke des Künstlers Rao Fu sind oft groß und farbgewaltig.  © wikipedia

Nach mehr als einem Vierteljahrhundert in Dresden hat er eine Antwort gefunden. "Der Rhythmus dieser Stadt ist Teil meines Atmens geworden. Die Geschichte und die Einsamkeit dieses Ortes bilden gemeinsam den Grundton meiner Malerei."

Er hat festgestellt: "Von China nach Dresden bewegt sich die Zeit vorwärts und lagert sich Schicht um Schicht ab."

Rao Fu lebt in Elbflorenz ein eher stilles, kreatives Leben. Es ist der Malerei und den Künsten gewidmet. Die farbgewaltigen Gemälde des Wahl-Dresdners entstehen in einem Hinterhof-Atelier. Skizzen und Zeichnungen fertigt er oft daheim am Küchentisch seiner Mietwohnung unterm Dach an.

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Ein Teilzeit-Job bei den Staatlichen Kunstsammlungen sichert beständig den Lebensunterhalt seiner vierköpfigen Familie.

Der Maler gehört zum Aufbauteam der Galerie Alte Meister, das für die Hängung der Gemälde im Zwinger zuständig ist. Einmal im Jahr gibt Rao Fu zudem an der Volkshochschule einen Kalligrafie-Kurs.

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Sammler zahlen hohe Preise für seine Gemälde

Der Künstler hat in Dresden einen festen Kreis an Freunden und Sammlern, die sein Werk verehren. Das ist allerdings ein eher kleiner Kreis im Vergleich zu der Vielzahl an Bewunderern, die er in Taiwan, Korea, Japan, Hongkong oder China hat.

Der Maler schafft es, mit seiner Kunst Kontinente zu verbinden. Sein wichtigster Galerist sitzt in Taiwan. Sammler zahlen heute für Gemälde von Rao Fu Beträge, die dem Kaufpreis einer Luxuslimousine entsprechen.

Für den Zeitraum vom 1. Oktober 2026 bis 31. Juli 2027 wird Rao Fu eine Gastprofessur an der Hochschule für Bildende Künste Dresden verliehen. Es macht ihn stolz.

Yini Tao: "Sie bedeutet nicht nur, dass ein chinesischer Künstler in Dresden seinen eigenen internationalen akademischen Bezugspunkt gefunden hat. Sie bedeutet auch, dass sich zwischen den Kulturen langsam eine Verbindung herausbildet. Rao Fu hat 25 Jahre lang an dieser Möglichkeit gearbeitet. Vielleicht ist dieser Weg langsam entstanden, doch gerade deshalb wirkt er umso kostbarer und bedeutungsvoller."

Rao Fu fand an der Elbe seine Heimat

Bei Ralf Kerbach (70) war Rao Fus Meisterschüler.
Bei Ralf Kerbach (70) war Rao Fus Meisterschüler.  © dpa/Arno Burgi

Rao Fu (Chinesisch 傅饶) erblickte am 7. Februar 1978 in Peking das Licht der Welt. Sein Vater war an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften tätig. Seine Mutter absolvierte ein Chemiestudium.

Sein Weg in eine naturwissenschaftlich-akademische Laufbahn schien vorgezeichnet. Doch Rao Fu entschied sich für die Künste. Er studierte 1999 bis 2001 Design an der Tsinghua-Universität in Peking und von 2002 bis 2010 Malerei und Grafik sowie Kunsttherapie an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und war Meisterschüler bei Ralf Kerbach.

Rao Fu lernte in Deutschland seine Frau Yini Tao kennen - eine chinesische Künstlerin und Kuratorin. Das Paar wohnt in Dresden.

Es hat zwei Kinder im Teenager-Alter. Beide glänzten bereits bei Wettbewerben - mit musikalischen Spitzenleistungen.

Bilder von Rao Fu weisen Elemente zweier Kulturen auf

Auch die "Dresdner Schule" findet sich in der Maltechnik wieder - aber eben nicht nur.
Auch die "Dresdner Schule" findet sich in der Maltechnik wieder - aber eben nicht nur.  © PR

Nationale und internationale Kritiker feiern Rao Fu als Wanderer zwischen den Kulturen von Asien und Europa. Seine künstlerischen Arbeiten passen in keine Schublade.

Sie lassen sich weder der chinesischen noch europäischen Gegenwartskunst zuordnen. Rao Fu verbindet Elemente klassischer chinesischer Philosophie und Kultur (zum Beispiel traditionelle Tuschemalerei) mit europäischer Malerei und Kunstgeschichte.

Sein Pinselstrich bezeugt die Dresdner Schule. Kräftige Farben, Kontraste und vielschichtige Bildbotschaften zeichnen seine Gemälde aus. Rao Fu liebt große Formate. Seine Gemälde wachsen in der Breite nicht selten über vier Meter hinaus.

Die Werke erzählen von seinem persönlichen Leben, Bräuchen und Mythen, Leben und Tod sowie dem Spannungsfeld zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

Museum in Peking baut für ihn um

Im größten privaten Kunstmuseum Chinas läuft derzeit eine Ausstellung mit Rao Fus Werken.
Im größten privaten Kunstmuseum Chinas läuft derzeit eine Ausstellung mit Rao Fus Werken.  © Red Brick Art Museum

Das Red Brick Art Museum in Peking präsentiert noch bis September die große Personalausstellung "Aurora", die über 50 Gemälde und Arbeiten von Rao Fu vereint. Der Gründer und Direktor des Museums, Yan Shijie, hat die Schau kuratiert.

Das größte private Kunstmuseum Chinas präsentiert sie zusammen mit der deutschen Botschaft in China und der Galerie Perrotin. Die Schau erregt international Aufsehen. Yan Shijie scheute weder Kosten noch Mühen, um die Werke zu inszenieren.

Er ließ im Museum eine fast zehn Meter lange tragende Wand entfernen, um ein optimales Ausstellungserlebnis zu schaffen. Die übergroßen Arbeiten von Rao Fu entfalten im Raum jetzt dort eine fast spirituelle Dimension.

Im Dezember hat der Künstler in Shenzhen (drittgrößte Stadt Chinas mit 17 Millionen Einwohnern) seine nächste große Einzelausstellung.

Die Städtischen Museen Dresden sind mit ihm im Gespräch. Es geht dabei um eine Werksschau 2028 - 30 Jahre nach seiner Ankunft in der Stadt.

Titelfoto: wikipedia

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