Dresden - Langsam, aber sicher beginnt die dunkle Jahreszeit. Doch stockduster wird es in Dresden nie: Überall leuchten Straßenlaternen, blinken Werbetafeln, brennt Licht in Schaufenstern und vor Häuserfassaden ... Für Naturaktivist Sicco Bauer (55) ein Unding. Er fordert weniger Lichtverschmutzung und mehr Dunkelheit in der Stadt.
Würden mehr dunkle Ecken nicht das Sicherheitsgefühl verschlechtern? Das glaubt Bauer nicht. "Mehr Licht verhindert keine Straftaten. Doch Tiere und Pflanzen leiden ganz erheblich unter der immer stärkeren Beleuchtung."
Seit rund zehn Jahren beobachtet der Informatiker und Hobby-Astronom, dass Dresden abends und nachts immer heller wird. "Früher konnten wir an der Sternwarte Gönnsdorf problemlos die Milchstraße sehen. Das wird jedes Jahr schwieriger."
Er prangert den Status quo an: Dresdens teils fahlweiß leuchtende Straßenlaternen, grelle Reklameschilder und erhellte Schaufenster haben ihm zufolge immense Auswirkungen aufs Ökosystem. "Künstliches und insbesondere kaltes Licht stört den Tag-Nacht-Rhythmus. Vögel und Insekten verlieren die Orientierung, Pflanzen werden weniger bestäubt."
Auf TAG24-Anfrage betont die Stadtverwaltung, das Problem anzuerkennen. Wie stark Dresden von "Lichtemissionen" betroffen sei, werde zwar nicht erfasst.
Straßenleuchten sollen aber - "in Abhängigkeit der Bereitstellung finanzieller Mittel" - nach und nach auf warmweiße, dimmbare und energiesparende LEDs umgerüstet werden, die möglichst wenig Streulicht erzeugen und als insektenfreundlich gelten. Doch von rund 46.200 Lampen sind derzeit erst 14.450 mit der neuen Technik ausgestattet.
Angestrahlte Gebäude, Straßenlaternen: Klimaaktivist will Dresden verdunkeln
"Das dauert alles viel zu lange", kritisiert Sicco Bauer. Außerdem müssten Lichtwerbung und Privatbeleuchtung reduziert werden, um der Lichtverschmutzung Herr zu werden. "Wenn einer seine Häuserfassade hell anstrahlt, zieht der Nachbar oft nach, weil er nicht geblendet werden will. Das Wettrüsten muss aufhören."
Sein Appell an den Stadtrat: "Es braucht einen Beschluss gegen die Lichtverschmutzung." Dafür müssten unter anderem hohe Summen in LED-Technik investiert sowie die Werberichtlinien angepasst werden. Langfristig könne die Stadt immense Summen einsparen, ist Bauer überzeugt. "Wir müssen nicht alles abschalten. Aber wir brauchen ein neues Lichtbewusstsein", fordert der Aktivist.