Mützen, Schals und Handschuhe in allen Größen: Oma Traudel (88) strickt seit 20 Jahren für kranke Kinder

Dresden - Seniorin Traudel Grützner (88) strickt für ihr Leben gern. Die Dresdnerin kreiert vor allem Kindersachen, spendet Socken und Co. ans Uniklinikum. Stundenlang nimmt sie dafür täglich die Nadeln in die Hand. Seit nunmehr 20 Jahren.

Traudel Grützner (88) strickt seit zwei Jahrzehnten für den guten Zweck.
Traudel Grützner (88) strickt seit zwei Jahrzehnten für den guten Zweck.  © Petra Hornig

Jeden Morgen setzt sich die Seniorin um 6.30 Uhr auf ihr Sofa. "Dann stricke ich die erste Runde", sagt Traudel. Weitere Runden folgen mittags, wenn ihr Essen köchelt, sowie am Nachmittag und Abend.

Mit bis zu fünf Nadeln strickt sie Socken, Mützen, Schals und Handschuhe in verschiedenen Kindergrößen. Das macht sie jeden Tag sechs bis acht Stunden, schafft damit rund 500 Stück pro Jahr.

Schon als junges Mädchen lernte sie Stricken. "Ich hatte eine Puppe mit kaputten Sachen. Sie brauchte neue, doch wir waren arm. Ich fragte die Handarbeitslehrerin, ob ich in den Unterricht darf, obwohl ich noch gar nicht in die Schule ging. Und sie machte eine Ausnahme für mich", erinnert sich die Seniorin. Seitdem strickt Traudel.

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Im Tausch für Wolle strickte sie Fremden und Freunden Kleidung. Später arbeitete sie als Lohnbuchhalterin in Dresden, strickte nebenbei für ihren Mann, Tochter und die Verwandtschaft. Später für die Enkel, heute für die Urenkel.

Kostenlos strickt sie auch für die Tafel, Wohnungsgenossenschaft und seit 20 Jahren für krebskranke Kinder und Frühchen der Dresdner Uniklinik. "Das liegt mir am Herzen", erklärt Traudel. "Außerdem hält mich das Stricken fit. Es ist wie eine Arbeit, ohne die ich kaputtgehen würde."

Traudel Grützners Arbeit wird in der Dresdner Uniklinik sehr geschätzt

Jeden Morgen steht sie auf und nimmt die Nadeln in die Hand.
Jeden Morgen steht sie auf und nimmt die Nadeln in die Hand.  © Petra Hornig
Socken, Mützen, Schals: Rund 500 Stück schafft die Senioren jedes Jahr.
Socken, Mützen, Schals: Rund 500 Stück schafft die Senioren jedes Jahr.  © Petra Hornig
Spenden für die Uniklinik: Mama Stephanie mit ihren Zwillingen Fiete und Till, die beide die handgestrickten Söckchen tragen.
Spenden für die Uniklinik: Mama Stephanie mit ihren Zwillingen Fiete und Till, die beide die handgestrickten Söckchen tragen.  © Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden/Holger Ostermeyer

Ihr Einsatz wird in der Uniklinik sehr geschätzt. Auch die eineiigen Zwillinge Fiete und Till, die Anfang Juni viel zu früh auf die Welt kamen, tragen nun die handgestrickten Söckchen. Mama Stephanie (33): "Es ist für mich eine große Erleichterung gewesen, dass ich mich nicht um die Anziehsachen für Fiete und Till kümmern brauchte.

Ich finde es total schön, dass es Menschen wie Frau Grützner gibt, die ehrenamtlich Sachen für die Babys stricken und nähen." Und die Seniorin will noch viele Jahre nadeln - solange ihre Augen noch mitspielen.

Titelfoto: Petra Hornig

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