Dresden - Ob Marathon, Motorradrally oder Bergsteigen im Hochgebirge: Frank Weisbach (49) ist ein Mann der Extreme. Zweimal sprang der Chef des Dresdner Citybeach dem Tod schon von der Schippe. "Seitdem lebe ich jeden Tag noch bewusster", erklärt er. Zu seinem 50. Geburtstag möchte sich der Sportler ein besonderes Geschenk machen: Im Frühjahr 2027 will er den Mount Everest und seinen Nachbarberg, den Lhotse, besteigen.
"Ich feiere mittlerweile drei Geburtstage", erzählt Frank Weisbach. Vor 20 Jahren verunglückte er im Sommerurlaub in den italienischen Dolomiten mit seinem Motorrad schwer, geriet in den Gegenverkehr und erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma.
Vor sieben Jahren dann der nächste Schock: Bei der transafrikanischen Intercontinental Rally im Januar 2019 stürzte der Dresdner an Tag 10 mit seiner Maschine. Diagnose: drei zertrümmerte Brustwirbel. Ein Wunder, dass er überlebte - und heute laufen kann. "Ich hatte Glück im Unglück, das muss ich wirklich sagen", erzählt er sichtlich ergriffen.
Doch anstatt einen Gang runterzuschalten, steckte er sich noch höhere Ziele - buchstäblich. So stehen mittlerweile der Mont Blanc (4807 Meter - 2015), Aconcagua (6962 Meter - 2017), Kilimandscharo (5895 Meter - 2019), Chimborazo (6268 Meter - 2020), Mera Peak (6476 Meter - 2022), Pik Lenin (7134 Meter - 2023) und Manaslu (8163 Meter - 2024) auf seiner langen Liste von erfolgreichen Gipfelbesteigungen.
"Als ich oben auf dem Manaslu ankam, sah ich Skispuren und habe mich geärgert, dass ich mein Snowboard nicht dabeihatte", erinnert sich der passionierte Wintersportler. Am nächsten Berg, dem Muztagh Ata (7546 Meter) in China, sollte das anders werden.
Schönste Abfahrt seines Lebens
"Ich bin in der Nacht bei Sturm mit Stirnlampe zum Gipfel aufgebrochen. Ich hatte dort eine so intensive Zeit, das war mega", berichtet der Bergsteiger. Bergab ging es dann mit dem Snowboard. "Das war die schönste Abfahrt meines Lebens", schwärmt er.
Mit dem Mount Everest und dem Lhotse legt er im Mai nächsten Jahres nun noch eine Schippe drauf. Innerhalb von sechs Wochen möchte er den höchsten und vierthöchsten Berg der Welt erobern und einige Passagen auch mit dem Snowboard bewältigen.
"Glücklicherweise habe ich beim Bergsteigen noch keine Unfälle gehabt. Ich denke, ich habe auch mein Soll voll, sodass mir nichts mehr passieren wird", ist er optimistisch.
Trotzdem bleibt er vorsichtig: "Ich mache mir bei Wetter, Schnee und Lawinengefahr immer mein eigenes Bild und verlasse mich nicht nur auf Guides."
Größter Gefahrenfaktor ist Mensch selbst
Besondere Gefahren am Everest sehe er aber nicht. "Das ist mittlerweile auch so sicher gebaut. Dort gibt es ein Fixseil, an dem man sich immer hochzieht. Das ist zwar anstrengend, aber man muss nur steigeisensicher sein", sagt er.
Doch er weiß, der größte Gefahrenfaktor ist der Mensch selbst.
"Der Bergtourismus hat extrem zugenommen. Dort sind Leute unterwegs, die dort nichts verloren haben, die ihre Steigeisen angezogen bekommen. Dadurch steigt natürlich auch das Risiko, dass etwas passiert", erklärt er. "Aber ich möchte mir selbst ein Bild davon machen. Und wenn nicht jetzt, wann dann?"
Doch der Everest ist längst nicht das Ende der Fahnenstange. "Ein Jahr danach möchte ich noch einen 8000er ohne Sauerstoff besteigen", erzählt er. Aber auch einen Lauf durch die Wüste oder mit Gepäckschlitten und Skiern zum Südpol könnte sich der Extremsportler noch vorstellen.
Abenteuer Everest
Auf den Everest darf nur, wer eine Genehmigung hat. Die Buchung erfolgt über eine Agentur, die die Organisation und Betreuung vor Ort übernimmt. Kosten: circa 15.000 Dollar für die Genehmigung und etwa 35.000 Euro für die gesamte Reise.
"Und das ist low budget geplant", erklärt Frank Weisbach. Auch für den Unternehmer viel Geld. "Ich habe schon einige Partner, aber suche noch nach weiteren Partnern. Als Gegenleistung erzeuge ich eine hohe Medienwirksamkeit", verspricht er.
Zunächst wird der Abenteurer im Mai nach Kathmandu und dann weiter nach Lukla fliegen. "Von dort läuft man eine Woche bis zum Basislager", beschreibt er den Ablauf. Sein Gepäck von etwa 40 Kilo wird von Tragetieren - meist Yaks - transportiert.
"Im Basislager braucht man dann Zeit zur Höhenanpassung." Beim Trip immer an seiner Seite wird ein Sherpa seines Vertrauens sein.
Oberhalb von 8000 Metern zählt jede Minute
Sherpas sind ein Volk aus dem Zentral- und Süd-Himalaya, die oft als Bergführer arbeiten. Weisbach: "Er war schon siebenmal auf dem Everest. Und mit ihm war ich auch schon mehrmals in Nepal unterwegs, auch auf dem Manaslu."
Vom Basislager aus führt die Südroute, die von den meisten Bergsteigern gewählt wird, bis zum Lager IV in 7900 Metern Höhe. Darüber hinaus beginnt die sogenannte Todeszone.
Heißt: Oberhalb von 8000 Metern zählt jede Minute. Wer sich mehr als 48 Stunden in diesem Bereich aufhält, überlebt wahrscheinlich nicht. Deshalb ist der genaue Expeditionsverlauf noch offen.
Frank Weisbach erklärt: "Links geht es auf den Everest, rechts auf den Lhotse. Ob ich den Lhotse dann nach dem Everest direkt von Lager IV mache oder erst mal wieder ins Basislager gehe, muss ich abhängig davon machen, wie die Bedingungen sind und wie ich mich fühle."
Mount Everest - Lhotse
Höhenkrankheit
Immer wieder fordert der Mount Everest auch Todesopfer.
Die häufigsten Ursachen sind Lawinen, Abstürze, Erschöpfungen und die Höhenkrankheit, die durch niedrigen Luftdruck und Sauerstoffmangel in großer Höhe entsteht.
Auch Frank Weisbach hat mit Letzterem schon seine Erfahrung gemacht.
"Erste Symptome sind Kopfschmerzen und Halluzinationen, die ich auch schon mehrmals hatte", berichtet er.
Irgendwann verliere man dann die Orientierung - ohne Hilfe quasi das Todesurteil. "Wenn man Halluzinationen hat, sollte man zügig mit dem Abstieg beginnen."