Sie brachte neue Rezepte in die DDR: Dresden erhält Nachlass von berühmter Kochbuch-Autorin

Dresden - Sie holte die (kulinarische) Welt in die DDR: Kochbuch-Autorin Ursula Winnington († 2025). Aus Anlass ihres ersten Todestages übergaben am Montag ihre Tochter Maraike Wittbrodt (73) und Enkelin Lilly Böhm (47) in der SLUB den Nachlass der leidenschaftlichen Köchin an das Deutsche Archiv der Kulinarik.

Maraike Wittbrodt (73), Lilly Böhm (47) und SLUB-Generaldirektorin Katrin Stump (53, v.l.) unterzeichnen die Schenkungsurkunde.  © Thomas Türpe

Das 2022 gegründet Archiv umfasst bereits rund 50.000 Kochbücher, 45.000 Menü- und Speisekarten und 400 Kochhandschriften.

Nun kommt die über 150 Werke umfassende Kochbuch- und Arbeitsbibliothek von Ursula Winnington hinzu, die für ihre Rezepte und kulinarische Geschichten in den DDR-Illustrierten (seit 1964) "Magazin", "Für Dich", "Sibylle" und "Der gute Rat" geliebt wurde.

"Wir freuen uns, dass der Nachlass in guten Händen ist. Wir könnten uns keinen besseren Ort vorstellen", sagt Tochter Maraike Wittbrodt.

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Die Schenkung beinhaltet auch das handschriftliche Kochbuch von Ursula Winningtons Großmutter Olga.

"Es stammt aus den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts und beinhaltet auch das Originalrezept für Mecklenburger Pfeffernüsse, die bis heute in unserer Familie im Advent gebacken werden", verrät Tochter Maraike.

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Das handschriftliche Kochbuch von Winningtons Großmutter Olga stammt aus den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts.  © Thomas Türpe
Ursula Winnington 2021 - sie kochte bis ins hohe Alter gern.  © Volkmar Otto
"Aphrodites Gaben" ist nur eines von vielen Winnington-Kochbüchern. Es erschien 1992 im Eulenspiegel Verlag.  © PR

Ursula Winnington liebte die internationale Küche

Ursula Winnington (Mitte) 1970 - sie besuchte ausländische Korrespondenten für die Serie "Viele Männer kochen gern".  © Repro: Thomas Türpe

Erhalten blieb auch die Korrespondenz - im Rahmen der Konsumgüterproduktion erbaten die VEB Eisen- und Hüttenwerke Thale noch im August 1989 Ratschläge für ein Fondue-Set mit Chinapfanne. Der VEB Exzellent Dresden fragte 1983 Rezepte für tafelfertige Suppen in Dosen an.

Ursula Winnington war für ihre Liebe zur internationalen Küche bekannt. Schon Ende der 50er Jahre durfte die Berlinerin eine Delegation nach Indien begleiten - und lernte die asiatische Küche kennen. Mit ihrem zweiten Mann, dem in der DDR lebenden britischen Journalisten Alan Winnington, bereiste sie China und Korea.

Und da es weder Parmesan noch Sojasoße in der DDR gab, würzte sie ihre Rezepte mit heimischen Zutaten - und vielen Geschichten.

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