Dresden - "Die Sixtinische Madonna" hängt jetzt im "Café Toscana" am Blauen Wunder! Natürlich nicht das unschätzbar wertvolle, über 500 Jahre alte Originalgemälde von Raffael. Aber ein deutlich kleineres Relief, das auch schon mal in der Gemäldegalerie "Alte Meister" im Wortsinn zu begreifen war. Denn es handelt sich um eine Gipsabformung, die 2012 speziell für Blinden- und Sehbehinderten-Führungen vom damaligen Theaterplastik-Studenten Ralf Aßmann angefertigt wurde.
Das Madonna-Relief gehört zu insgesamt fünf Reliefs, die seit dieser Woche das beliebte Café von Clemens Eisold (38) schmücken. Alle Kunstwerke stammen aus dem Archiv der Theaterplastik der Kunsthochschule Dresden. Eisold hat sie gemeinsam mit Lehrstuhlinhaber Ulrich Eißner (64) ausgesucht.
"Figürliches Relief wird nur noch an wenigen Kunsthochschulen vermittelt. In Dresden ist es ein wichtiger Teil des Theaterplastik-Studiums", erklärt der Professor. "Die Studenten müssen dabei aus Fotos von Originalkunstwerken die Schattenwerte herauslesen und die Bildvorlagen in plastische Formen übersetzen."
Eine Herausforderung für das dritte Studienjahr. "Reliefs sind leider ein wenig aus der Mode gekommen. Um so mehr freut es mich, dass nun fünf Arbeiten, die zwischen 1988 und 2014 entstanden, im Café zu sehen sind", so Eißner.
Neben der Sixtinischen Madonna von Ralf Aßmann, ist eine Putte von Lili Laube, eine Wein-Szene von Markus Petersen und ein Porträt von Johanna Prestel zu sehen. Das älteste Relief stammt von Eißner selbst: "Madonna mit dem Kinde". Das Original von Antonio Rossellino konnte er erst nach der Wende im Kunsthistorischen Museum in Wien bewundern.
Wessen Augen sich an den Reliefs satt gesehen haben, der kann zum Frühstücksangebot (9-12 Uhr) für den Magen übergehen. "Wir tüfteln an neuen Varianten von Eggs Benedict mit Spinat und Avocado oder an Croque Madame mit Frischkäse und Serrano-Schinken", macht Eisold Appetit.