"Vindobona" soll leben! Geldmangel bremst Sanierung des legendären DDR-Schnellzugs

Görlitz/Dresden - Kommt es doch nicht zur geplanten Wiederbelebung einer Legende? 2019 starteten zwei sächsische Eisenbahnliebhaber ein tollkühnes Projekt: Sie wollten den DDR-Schnellzug namens "Vindobona" auf der Strecke Berlin-Prag-Wien wieder aufleben lassen. Nun ist klar: Die millionenschwere Kalkulation reicht bei Weitem nicht aus.

Der Vindobona rollte ab den 1960er-Jahren durch die DDR ins Ausland. Ingo Kamossa (51) und Mario Lieb (56) vor dem SVT Görlitz.
Der Vindobona rollte ab den 1960er-Jahren durch die DDR ins Ausland. Ingo Kamossa (51) und Mario Lieb (56) vor dem SVT Görlitz.  © Fotomontage: privat, SVT Görlitz gGmbHPR

Mario Lieb (56), Geschäftsführer des Vereins SVT Görlitz, ist ratlos. Die Sanierung seines Schnellzuges, die teils in Pirna und Dresden, teils in Halberstadt durchgeführt wird, stockt: "Wir haben im Rahmen aufwendiger Stahlarbeiten am Zug doch noch größere Flächen gefunden, die zusätzlich saniert werden müssen."

Damit wurde 2019 einfach nicht gerechnet. "Inflation und gestiegene Materialkosten waren damals auch kein Thema", klagt Lieb.

Der Kostenplan in Höhe von fünf Millionen Euro muss jetzt um "geschätzt eine halbe Million Euro nach oben korrigiert werden".

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Ein zusätzliches Hindernis: Bei Beantragung von Fördermitteln aus Bundes- und Landestöpfen müssen 50 Prozent der gewünschten Summe selbst erbracht werden: "Ich als Geschäftsführer weiß wirklich nicht, wie es weitergehen soll", konstatiert Lieb.

Der historische Zug droht auf dem Abstellgleis zu bleiben.

Gleichzeitig gehen die Arbeiten aber weiter: "Der Innenausbau geht gut voran. Die Arbeiten sind mit dem alten Kostenplan voll gedeckt." Nun geht es darum, das Projekt mit Spendengeldern abzuschließen. Hierfür hat der Verein die Kampagne "Wir brauchen kühle Köpfe" ins Leben gerufen.

Blick in den Triebwagen des legendären Zuges.
Blick in den Triebwagen des legendären Zuges.  © imago/Sven Ellger
So reiste man einst in der zweiten Klasse.
So reiste man einst in der zweiten Klasse.  © imago/Sven Ellger
Das stilvoll eingerichtete Bord-Restaurant im Zug.
Das stilvoll eingerichtete Bord-Restaurant im Zug.  © privat
Einer der bereits fertig lackierten Waggons: Sitzwagen 1. und 2. Klasse.
Einer der bereits fertig lackierten Waggons: Sitzwagen 1. und 2. Klasse.  © privat

In Görlitz hergestellt: Der Prestige-Zug der DDR

Der Name "Vindobona"-Express ergibt sich aus der lateinischen Bezeichnung für die Stadt Wien.
Der Name "Vindobona"-Express ergibt sich aus der lateinischen Bezeichnung für die Stadt Wien.  © imago/Sven Ellger

In den 1960er-Jahren wollte die DDR zeigen, dass sie auch auf Schienen mithalten kann. Ein Schnellzug mit komfortablen Drehsitzen und Warmwasser im Waschraum wurde in Görlitz gebaut: der SVT Görlitz.

Die klangvollen Namen für den prestigeträchtigen Schnellzug lauten "Berlinalen", "Karlex", "Neptun" und "Vindobona". Sie beschreiben dabei die Routen des noblen Zuges, der mit rund 160 km/h und 2000 PS unter der Lokhaube an die 200 Fahrgäste durch die DDR bis Malmö, Kopenhagen, Prag und Wien chauffierte.

Nach der Wende wurden die Züge ausgemustert. Aber die Legende soll wieder aufleben.

Titelfoto: Fotomontage: privat, SVT Görlitz gGmbHPR

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