Von jüdischer Sichtbarkeit: Neue Ausstellung im Zentrum für Baukultur
Dresden - Zur Geschichte einer Stadt gehört auch das, was aus dem Stadtbild verschwunden ist. Das gilt besonders für die Synagogen, die bis 1938 in zahlreichen sächsischen Städten das jüdische Leben sichtbar machten. Die Ausstellung "Platz finden. Zur Sichtbarkeit jüdischen Bauens in Sachsen" im Zentrum für Baukultur Sachsen (ZfBK) im Kulturpalast stellt fünf dieser Orte vor: in Dresden, Leipzig, Chemnitz, Plauen und Görlitz.
Die Ausstellung gehört zum sächsischen Themenjahr "Tacheles 2026", mit dem der Freistaat die Geschichte und Gegenwart jüdischer Kultur in Sachsen in den Mittelpunkt stellt.
Vordergründig ist es eine Schau über Gebäude, hintergründig geht es um mehr als Architektur - um jüdische Emanzipation in Sachsen, um Zerstörung und Vernichtung, ums Wiederankommen nach dem Krieg und nach dem Ende der DDR.
"Fast alle Synagogen in Sachsen sind 1938 in der Reichspogromnacht zerstört worden", sagt Ausstellungskurator Torsten Birne. Allein die von William Lossow und Max Hans Kühne entworfene Synagoge von 1911 in Görlitz habe den Furor schwer beschädigt überstanden.
Die Ausstellung zeigt, wie unterschiedlich jüdischer Sakralbau sein konnte. Gottfried Sempers Dresdner Synagoge, 1838 bis 1840 errichtet, verband einen äußerlich zurückhaltenden Baustil mit einem orientalisch geprägten Innenraum.
In Leipzig dokumentieren die Große Gemeindesynagoge von 1855 und die orthodoxe Ez-Chaim-Synagoge von 1922 die religiöse und soziale Vielfalt der jüdischen Gemeinde.
Nach der Wende entstanden neue Synagogen in Sachsen
Die Chemnitzer Synagoge am Stephanplatz entstand 1897 bis 1899 nach Plänen von Wenzel Bürger. Der imposante Bau mit Kuppel war für den Kaßberg wie ein Wahrzeichen.
In Plauen errichtete Fritz Landauer erst 1930 eine Synagoge, die sich ganz der architektonischen Moderne öffnete. Auch sie wurde nur acht Jahre später zerstört. Ihre Gestalt lässt sich heute durch eine digitale Rekonstruktion der TU Darmstadt nachempfinden.
Nach 1989 entstanden in Sachsen wieder jüdische Gemeinden, neue Synagogen und Erinnerungsorte. In Dresden entwarfen das Architekturbüro Wandel, Hoefer, Lorch und Hirsch die 2001 eröffnete Neue Synagoge am historischen Standort von Sempers zerstörtem Bau.
Eine neue Synagoge mit Gemeindezentrum, erbaut von Alfred Jacoby, entstand auch in Chemnitz, Stollberger Straße, 2002 eröffnet. In Leipzig erinnert seit 2001 ein Mahnmal von Sebastian Helm und Anna Dilengite an den zerstörten Synagogen-Bau - 140 leere Bronzestühle auf einem Modell seines Grundrisses unter freien Himmel.
In Plauen hält ein erhaltenes Mauerstück die Erinnerung an Landauers 1938 zerstörten Bau wach - es soll zu einem Gedenk- und Begegnungsort entwickelt werden. In Görlitz wurde der geschändete, aber erhalten gebliebene Bau während der DDR dem Verfall überlassen, konnte nach 1989 gerettet werden und ist heute ein öffentlicher Kulturort.
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Was genau ist in der Ausstellung zu sehen?
Kern der Schau sind Architekturmodelle der Synagogen, der zerstörten wie der neu gebauten, die für frühere Präsentationen hergestellt wurden und für die aktuelle Ausstellung aufbereitet und reaktiviert wurden. Hinzu kommen Infotafeln mit Fotos und Erläuterungen, die über die Geschichte der Synagogen informieren, sowie ein historischer Film.
Eine künstlerische Ergänzung ist die Fotoinstallation "Die Bilder kommen zurück" der Dresdner Künstlerin Susan Donath - eine Wandlandschaft aus gerahmten historischen Postkarten, die jüdisches Leben in Sachsen in Gestalt seiner Bauwerke, Straßen und Plätze spiegelt.
Die Ausstellung "Platz finden. Zur Sichtbarkeit jüdischen Bauens in Sachsen" im ZfBK ist geöffnet bis 17. September (dienstags bis samstags, 13 bis 18 Uhr) und soll anschließend in Chemnitz und Plauen zu sehen sein. Gespräche über eine Präsentation gibt es auch mit der Stadt Görlitz.
Titelfoto: ZfBK

