Dresden - Dresden wird zur Stadt der Alleinlebenden. Nach der neuen Haushalteprognose der Stadt steigt die Zahl der privaten Haushalte bis 2040 von 313.400 auf 330.900 oder um 5,6 Prozent. Die Bevölkerung wächst laut Prognose dagegen nur um 2,9 Prozent. Mehr als jeder zweite Haushalt wird 2040 ein Einpersonenhaushalt sein. Rund 181.400, etwa 55 Prozent.
Dass immer mehr Dresdner allein wohnen, hat mehrere Gründe. Stadt-Statistiker Holger Oertel (48) nennt als Treiber neben dem Geburtenrückgang die "fortschreitende Singularisierung der Bevölkerung".
Heißt: Immer mehr Menschen leben nicht ständig im klassischen Familienhaushalt. Sie wohnen vor der Familiengründung allein, nach Trennungen wieder allein, im Alter nach dem Tod des Partners allein. Oder bewusst ohne Partner und Kinder in der Wohnung.
Wohnungsmarktforscher wie das Dresdner Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung beschreiben den Effekt seit Jahren. Gründe dafür gebe es viele, wie die "Abkehr von traditionellen Lebensentwürfen im Familienverbund" ebenso wie unterschiedliche Lebenserwartungen von Männern und Frauen.
Die Folge sei ein "höherer Bedarf an Wohnungen", besonders an kleineren Einheiten, schreibt Juliane Banse in einer Studie.
Trend ist nicht nur ein Dresdner Phänomen
Haushalte mit drei und mehr Personen werden in 42 Stadtteilen zurückgehen. Das trifft vor allem den Stadtrand, wo sich ein weiteres Problem zeigt: Während weniger neue Familien an den Stadtrand ziehen, ziehen nun zunehmend die erwachsenen Kinder der zuvor Zugezogenen aus.
"Die schrumpfenden Familienhaushalte haben dann zunehmend kleinere Haushaltsgrößen, bewohnen aber noch relativ große Wohnungen beziehungsweise Häuser", so die Studienautoren weiter.
Der Trend ist aber nicht nur ein Dresdner Phänomen. Das Statistische Landesamt Sachsen meldete zum Zensus 2022 rund 20 Prozent mehr Einpersonenhaushalte als 2011. Etwa 950.000 Sachsen lebten allein, knapp 40 Prozent davon waren 65 Jahre oder älter.
Doch vor allem für Dresden heißt das: Selbst wenn die Einwohnerzahl nur moderat wächst (oder wie zuletzt schrumpft), steigt der Druck auf den Wohnungsmarkt.