Besucher füttern Tiere im Wildgehege Moritzburg: Jetzt sterben sie an Vergiftung oder Herzverfettung!

Moritzburg - Diese Verluste gehen ihm und seinem Team richtig an die Nieren: Durch falsche Fütterung von Besuchern verenden im Wildgehege Moritzburg immer wieder Tiere. Bereits sechs Bewohner sind in diesem Jahr gestorben.

Schöllkraut kann bei Mensch und Tier schwere Magen-Darm-Reizungen auslösen.
Schöllkraut kann bei Mensch und Tier schwere Magen-Darm-Reizungen auslösen.  © IMAGO/Gottfried Czepluch

"Ich habe den Eindruck, dass es mit den Jahren immer weiter zunimmt", schimpft Ronald Ennersch (55), der eigentlich als Chef des 40 Hektar großen Wildparks (Eröffnung 1958) genug zu tun hat: Der Eingangsbereich des Tierparks ist seit März eine betriebsame Baustelle.

Und oft kommen neue Tiere in die Anlage, etwa weil die Wildschweine im vergangenen Winter "entnommen" (erschossen) werden mussten.

Seine Beobachtung: Trotz ganzjähriger Versorgung mit saftigem Heu und Spezialfutter kommen Wildpark-Besucher immer wieder mit einer Extraportion zu den Tieren.

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Manche verfüttern giftige Fingerhüte oder Schöllkraut, andere kommen sogar mit Brot und Kuchen.

Was im ersten Moment als gute Tat daherkommt, kann für die tierischen Bewohner das Todesurteil bedeuten.

Weißbrot gehört im Wildgehege nicht auf den tierischen Speiseplan.
Weißbrot gehört im Wildgehege nicht auf den tierischen Speiseplan.  © dpa/Carmen Jaspersen
Wildpark-Chef Ronald Ennersch (55) sorgt sich um das Wohl seiner Tiere.
Wildpark-Chef Ronald Ennersch (55) sorgt sich um das Wohl seiner Tiere.  © Ove Landgraf
Die Wildpferde sind heute in dem Gehege, wo früher die Wildschweine waren.
Die Wildpferde sind heute in dem Gehege, wo früher die Wildschweine waren.  © Ove Landgraf
Auch das aus Asien stammende Sikawild (hier mit Nachwuchs) gehört zur Gruppe der Raufutterfresser.
Auch das aus Asien stammende Sikawild (hier mit Nachwuchs) gehört zur Gruppe der Raufutterfresser.  © Ove Landgraf

Die meisten Tiere im Wildgehege Moritzburg sind Raufutterfresser

Trotz klarer Hinweise ignorieren manche Besucher Absperrungen, etwa bei den afrikanischen Zwergziegen.
Trotz klarer Hinweise ignorieren manche Besucher Absperrungen, etwa bei den afrikanischen Zwergziegen.  © Ove Landgraf

"Die meisten unserer Tiere sind Raufutterfresser, auf ihrem Speiseplan stehen Heu, Blätter und Zweige", erklärt der Gehege-Chef.

Das menschliche Essen sorgt hingegen für starke Verdauungsbeschwerden, die nicht jedes Tier überlebt.

Bisher fielen der Falschfütterung in diesem Jahr vermutlich drei Zwergziegen, zwei Muffelschafe und eine Hirschkuh zum Opfer.

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Das häufigste Ergebnis der Obduktion in der zuständigen Landesuntersuchungs-Anstalt: Vergiftung oder Herzverfettung durch falsche Ernährung.

Ennerschs Appell an seine Gäste: "Bitte respektiert das Futterverbot und das Ruhebedürfnis unserer Tiere. Wenn eines von ihnen Hilfe braucht, hungrig oder krank erscheint, dann wendet Euch an unsere Kollegen!"

Titelfoto: Ove Landgraf

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