Bauarbeiten in vollem Gange: Erster Blick ins einstige Gammel-Hochhaus

Dresden - Alles neu am früheren "Skandal-Hochhaus" am Pirnaischen Platz! Seit Januar läuft die grundlegende Sanierung des einstigen Bröckel-Plattenriesen. Mitte kommenden Jahres soll der 14-Geschosser in neuem Glanz erstrahlen - und die 156 Wohnungen wieder begehrt wie früher.

Der 14-Geschosser ist seit Jahresanfang eingerüstet, wurde bereits entkernt.
Der 14-Geschosser ist seit Jahresanfang eingerüstet, wurde bereits entkernt.  © Holm Helis

2020 fand die leidvolle Vorgeschichte des Hauses mit dem Kauf durch den Leipziger Immobilienkonzerns "Quarterback" (über 400 Mitarbeiter, bauen zahlreiche Wohnhäuser in Dresden, darunter das neue Otto-Dix-Quartier) ein Ende.

Die Neueigentümer (mittlerweile schon an Vonovia weiter verkauft) besserten Pläne nach, starteten Anfang des Jahres die Sanierung. Estrich, Fassaden-Dämmung, Wände, Aufzüge kamen raus.

"Die Zimmer waren teils noch möbliert, der Keller zugemüllt ohne Ende", sagt "Quarterback"-Niederlassungsleiter Steffen Funk (56). Nach der Entkernung laufe der Innenausbau im Rohbau, in den unteren Geschossen werden bereits Fenster eingesetzt.

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Auch Leitungen, Türen, Böden, Fliesen sind nun dran. Im eingerüsteten Außenbereich laufen Arbeiten an Fassade und Balkonen. Bis 50 Kräfte arbeiten zeitgleich im Haus.

"Es ist ein herausforderndes Projekt", sagt Funk, auch mit Blick auf die Krise auch im Baugewerbe.

Bau-Ende verspätet sich

Der Dresdner "Quarterback"-Niederlassungsleiter Steffen Funk (56, r.) und sein Bauleiter Harald Hache (49) auf dem Dach des Hochhaus-Riesen.
Der Dresdner "Quarterback"-Niederlassungsleiter Steffen Funk (56, r.) und sein Bauleiter Harald Hache (49) auf dem Dach des Hochhaus-Riesen.  © Holm Helis
Wer hier oben arbeitet, sollte besser schwindelfrei sein.
Wer hier oben arbeitet, sollte besser schwindelfrei sein.  © Holm Helis

Die Kosten seien bereits um bis zu 30 Prozent gestiegen. "Wir schaffen attraktiven Wohnraum und moderne Apartments, die sicher gut vermietet werden können", ist Funk dennoch zuversichtlich.

156 kompakte Mietwohnungen (1- bis 3-Raum, 47 bis 87 Quadratmeter, Fußbodenheizung) beherbergt der Riese, im neuen Staffelgeschoss auf dem Dach weitere fünf Penthouse-Wohnungen.

"Alle Wohnungen haben einen Balkon mit grandiosem Blick", sagt Bauleiter Harald Hache (49).

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Die Tiefgarage ist auf 34 Stellplätze begrenzt. Im angrenzenden Flachbau soll unten ein Lebensmittel-Markt einziehen (Verhandlungen laufen), im Obergeschoss finden Büros Platz.

Mitte 2024 soll das Hochhaus (ein paar Monate später als ursprünglich geplant) fertig werden.

Ein erster Blick in das "neue" alte Gammel-Hochhaus

Nur die Stufen des Treppenhauses (Terrazzo) sollen erhalten bleiben, wurden darum zunächst mit Holz eingedeckt.
Nur die Stufen des Treppenhauses (Terrazzo) sollen erhalten bleiben, wurden darum zunächst mit Holz eingedeckt.  © Holm Helis
Blick in einen der Hausflure mit den Zugängen zu den Wohnungen.
Blick in einen der Hausflure mit den Zugängen zu den Wohnungen.  © Holm Helis
Viel Licht kommt in die Räume.
Viel Licht kommt in die Räume.  © Holm Helis
Diese Einfahrt führt in die Tiefgarage mit 34 Stellplätzen.
Diese Einfahrt führt in die Tiefgarage mit 34 Stellplätzen.  © Holm Helis
Bis zu 50 Kräfte werkeln am Haus, wie dieser Mitarbeiter an einer Leitung.
Bis zu 50 Kräfte werkeln am Haus, wie dieser Mitarbeiter an einer Leitung.  © Holm Helis
So soll das Hochhaus (nicht denkmalgeschützt) Mitte kommenden Jahres aussehen. Neu im Vergleich zu einst sind die Staffelgeschosse auf dem Dach (mit Wohnungen) und dem Anbau (Lebensmittel und Büros).
So soll das Hochhaus (nicht denkmalgeschützt) Mitte kommenden Jahres aussehen. Neu im Vergleich zu einst sind die Staffelgeschosse auf dem Dach (mit Wohnungen) und dem Anbau (Lebensmittel und Büros).  © Visualisierung: archlab.de/Kaluschke

"Der Sozialismus siegt" und "Naddl und Ronny": Das Gammel-Hochhaus zierten schon mehrere Schriftzüge

Zuletzt wohnten überwiegend sozial hilfsbedürftige Mieter in dem Plattenbau, der Jahr für Jahr mehr verfiel. Dabei war das Hochhaus mit 14 Geschossen einst der Stolz der DDR-Bonzen!

1964-66 errichtet, waren die 180 Wohnungen mit Duschkabine, Kochnische und Loggia sehr begehrt. Im angrenzenden Flachbau wurde 1968 die Kultgaststätte "Gastmahl des Meeres" eröffnet, auch eine Feinkost-Kaufhalle (zuletzt Lidl, Auszug 2022). Bis 1987 leuchtete auch der Schriftzug "Der Sozialismus siegt". 2015 wurde der Slogan "Der Kapitalismus siecht" von Unbekannten angebracht, später auch das Graffiti "Naddl und Ronny".

Nach der Jahrtausendwende begann der Niedergang des stark sanierungsbedürftigen Hauses. Die Immobilie wurde von der Stadt verkauft, dann zum Spielball verschiedener Eigentümer - zulasten der Mieter.

Die froren auch 2017 wochenlang, da der zuständige Berliner Projektentwickler die ausgefallene Heizungsanlage lange nicht repariert hatte. Auch Vermüllung nahm zu, mehrmals brannte es im Haus. Wieder kümmerte sich der Eigentümer nicht um den fehlenden Brandschutz, trotz wiederholter Bußgelder der Stadt.

Die Schäden im einstigen Gammel-Hochhaus waren deutlich sichtbar.
Die Schäden im einstigen Gammel-Hochhaus waren deutlich sichtbar.  © privat
Roberto Vitorino Guianhela war der letzte Mieter in dem Haus.
Roberto Vitorino Guianhela war der letzte Mieter in dem Haus.  © Steffen Füssel
So kannten es viele Dresdner noch! Der berühmte DDR-Slogan wurde 1987 abgenommen.
So kannten es viele Dresdner noch! Der berühmte DDR-Slogan wurde 1987 abgenommen.  © Imago

Letztlich musste das Rathaus die Räumung verhängen, die Mieter bekamen nur eine kleine Entschädigung vom Haus-Eigentümer. Im April 2018 begleitete TAG24 den letzten Mieter beim Auszug, seitdem steht das Haus leer.

Titelfoto: Montage: archlab.de/Kaluschke, Holm Helis (2)

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