Radebeul - Der wahrscheinlich teuerste Zaun von Sachsen stand bis vor Kurzem in Radebeul-Lindenau. Das etwa 2,50 Meter lange, schmiedeeiserne Element würde in der Neuanfertigung so viel kosten wie ein Kleinwagen. Denn es ist gar kein Zaun, sondern zierte einst als dekoratives Element das "Zimmer des Herrn" in der Radebeuler "Villa Kolbe".
Gastronom René Kuhnt, der die 1890 erbaute Villa erwarb und restauriert, bekam auf kuriose Weise das eiserne Kunstwerk zurück. "Ein Mann kam mit einem Foto vorbei. Er hatte erkannt, dass es sich bei dem Zaun um ursprüngliches Inventar der Villa handelte", erzählt Kuhnt.
Die Villa gehörte zwar mindestens bis in die 70er-Jahre der Familie Kohlmann, doch nach dem Zweiten Weltkrieg richtete sich der Chirurg Schramm eine Klinik ein - und ließ den geschmiedeten Bogen aus seinem Arbeitszimmer entfernen.
"Doch eine Krankenschwester fand ihn so schön, dass sie ihn für kleines Geld erwarb - und in Lindenau als Gartenzaun nutzte", schmunzelt Kuhnt. "Ein Jahr habe ich fast gebraucht, um die Nachkommen der Krankenschwester zu finden."
Dann traf sich Kuhnt mit einem Erben vor Ort, bot 1000 Euro für den Zaun an. "Für den Fall, dass es zum Kauf kommt, hatte ich gleich Handwerkszeug zum Abbau im Transporter und 1000 Euro in der Hosentasche - in 20-Euro-Scheinen. Ein dickes Bündel Scheine ist einfach verlockend."
Kuhnts cleverer Plan ging auf. Er konnte den fast 150 Jahre alten Bogen, der über 70 Jahre zweckentfremdet als Gartenzaun diente, mitnehmen.
Tag des offenen Denkmals: Villen-Gastronom René Kuhnt präsentiert seinen Gold-Fund
Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag (10-21 Uhr) wird Kuhnt sein kürzlich in einer Zisterne gefundenes vergoldetes Sonnenrad und den schmiedeeisernen Bogen präsentieren.
Grob gereinigt, aber noch nicht aufgearbeitet.
"Ich vermute sogar, dass die floralen Elemente vergoldet waren. Aber das wird eine Laboranalyse zeigen", gibt Kuhnt einen Ausblick.