Heute vor 65 Jahren: DDR-Flugzeug stürzt ab - Hinterbliebene gedenken der Opfer

Dresden - Es sollte ein Triumph der DDR werden, endete jedoch in einer Tragödie: Am heutigen Tag, vor genau 65 Jahren, stürzte das erste deutsche Passagierflugzeug mit Düsenantrieb bei seinem zweiten Flug ab.

Hans-Dieter Tack (84, r.) hatte an der abgestürzten Maschine mitgearbeitet, sprach am Montag auf dem Friedhof mit TAG24-Reporter Hermann Tydecks (40).
Hans-Dieter Tack (84, r.) hatte an der abgestürzten Maschine mitgearbeitet, sprach am Montag auf dem Friedhof mit TAG24-Reporter Hermann Tydecks (40).  © Norbert Neumann

Alle vier Besatzungsmitglieder der "Baade 152" verloren am 4. März 1959 ihr Leben. An ihrer gemeinsamen Grabstätte im Dresdner Stadtteil Klotzsche gedachten auf Einladung der "IG Luftfahrt Dresden 152" Weggefährten, Gäste und Nachkommen der Pioniere der modernen Luftfahrtgeschichte.

Ingenieur-Pilot Willi Lehmann (†40), Versuchspilot Kurt Bemme (†44), Bordingenieur Paul Heerling (†48) und Flugversuchsingenieur Georg Eismann (†39): "Für uns junge Flugzeugbauer waren das Vorbilder. Wir wollten wie sie werden", sagt Hans-Dieter Tack (84).

Bei seiner Rede am Grabmal auf dem Neuen Friedhof Klotzsche kamen ihm die Tränen.

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Als junger Mann hatte er selbst an dem Prototypen (etwa am Heckleitsystem und Kabinensitzen) mitgeschraubt, der drei Monate nach seinem Erstflug auf einem Feld nahe Ottendorf-Okrilla abstürzte.

Die "Baade 152" wurde in Dresden entwickelt, war das erste deutsche Passagierflugzeug mit Düsenantrieb.
Die "Baade 152" wurde in Dresden entwickelt, war das erste deutsche Passagierflugzeug mit Düsenantrieb.  © EFW

Tochter des Bordingenieurs: "Mutter brach an der Haustür zusammen"

Christiane Döbler (73) ist die Tochter des Bordingenieurs Paul Heerling (1910-1959), gedenkt an der gemeinsamen Grabstätte der abgestürzten Besatzung auf dem Neuen Friedhof Klotzsche.
Christiane Döbler (73) ist die Tochter des Bordingenieurs Paul Heerling (1910-1959), gedenkt an der gemeinsamen Grabstätte der abgestürzten Besatzung auf dem Neuen Friedhof Klotzsche.  © Norbert Neumann

Das erste deutsche Passagierflugzeug mit Strahlantrieb war bei den heutigen Elbe Flugzeugwerken (EFW, damals VEB Flugzeugwerke Dresden) gefertigt worden. Es sollte bei seinem zweiten Testflug auch zur Leipziger Messe fliegen, dort den anwesenden Sowjets präsentiert werden.

"Ich war damals neun Jahre alt, saß mit meiner Mutter bei uns in Hellerau vorm Fernseher, wo die Messe übertragen wurde", erinnert sich Christiane Döbler (73), Tochter des Bordingenieurs Heerling.

"Doch der Flieger kam nicht. Später fuhr eine Limousine bei uns vor, Männer in schwarzen Ledermänteln stiegen aus, klingelten. Kurz nachdem meine Mutter aufmachte, brach sie an der Haustür zusammen. Ich hatte das Gefühl, sie war danach ewig traurig."

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Absturzursache war wohl eine Kombination aus technischen und menschlichen Fehlern. Damit endete der Traum der DDR-Düsenjets, 1961 wurde die Flugzeugentwicklung endgültig eingestellt, seitdem der Fokus auf Reparaturen und Wartung gelegt - bis heute!

Die kleine Christiane vor dem Absturz mit ihren Eltern Paul und Ilse Heerling bei einem Ausflug in die Sächsische Schweiz.
Die kleine Christiane vor dem Absturz mit ihren Eltern Paul und Ilse Heerling bei einem Ausflug in die Sächsische Schweiz.  © privat

Chefentwickler Brunolf Baade (1904-1969) legte mit "seinem" Flieger den Grundstein für die heutigen EFW und Luftfahrtindustrie in Dresden. Die Geschichte erzählt nun auch eine neue Stele an der Grabstätte.

Titelfoto: Bildmontage: EFW, Norbert Neumann (2)

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