Hitzestau in öffentlichen Gebäuden: Klimaanlagen in Dresden noch Exoten
Dresden - Dresden schwitzt draußen wie drinnen. Trotz neuer "Kühle-Orte-Karte" sind die allermeisten städtischen Gebäude schlecht klimatisiert. Ob in Verwaltungsgebäuden, Schulen oder Pflegeheimen: Überall fehlen Räume, in denen man Abkühlung findet. Plant die Stadt, nachzurüsten?
Von den 148 städtischen Schulen hat keine eine Klimaanlage oder ein anderes Kühlsystem.
Nur 43 von 220 Kitas sind dank spezieller Nachtlüftung kühler, wenn die Sonne knallt. Immerhin gibt es Sonnenschutz von außen.
In den Pflegeeinrichtungen kommen auch nur "punktuell Klimageräte zum Einsatz". Und im Städtischen Klinikum sind Patientenzimmer in der Normalstation nicht klimatisiert.
"Probleme sind unter anderem die hohen laufenden Kosten, die deutlich steigende Bilanz des CO₂-Ausstoßes des Klinikums, steigender Flächenbedarf für Klimaanlagen", meint die Stadt.
Zugleich beteuert sie auf TAG24-Anfrage, die Folgen des Klimawandels für die Dresdner erträglich machen zu wollen. "Der nachträgliche Einbau von Klimatisierungstechnik in Gebäuden ist eine Option, die geprüft wird."
Doch wegen der knappen Kassen und "häufig auch aus technischen oder denkmalpflegerischen Gründen" sei sie leider momentan nicht umsetzbar.
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Auch in der DVB sieht es kaum besser aus
Unterwegs in den öffentlichen Verkehrsmitteln der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) sieht's nicht viel besser aus. Gerade einmal 33 Straßenbahnen (von 189) und 94 Busse (von 179) sind klimatisiert. Die neuen Stadtbahnen haben ab Werk eine Klimaanlage, doch im Internet beschweren sich Passagiere über die schlappe Kühlleistung.
DVB-Sprecher Falk Lösch (61): "Sie müssen einen Kompromiss zwischen zu viel und zu wenig finden. Manchen Fahrgästen wird dann schnell kalt, manche möchten mehr Kühlung." Jedes Grad Celsius mehr koste enorme Energiemengen, die bezahlt werden müssen. "Daher haben wir in den 33 Stadtbahnen die Klimatisierung so eingestellt, dass der Innenraum einige Grad unter der Außentemperatur liegt."
Auch Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (60, Grüne) sagt: "Bei Klimaanlagen ist immer die Frage dahinter: Was machen wir mit den Energiekosten?" Wenigstens für die eigenen vier Wände hat sie einen Rat: Solaranlagen kaufen, den damit gewonnenen Strom für die Kühlung nutzen.
"Das ist glaube ich das Klügste, womit sich die Menschen am besten helfen können", meint die Bürgermeisterin.
Kommentar zu fehlenden Klimaanlagen: Zeit zu handeln
Von Karoline Bernhardt
Unsere Sommer werden länger und heißer. Um das zu spüren, muss man nicht einmal vor die Tür treten. Häuser und Wohnungen heizen sich auf, ohne Kühlung kann es drinnen unerträglich werden. Kein Wunder, dass der Ansturm auf Klimaanlagen zuletzt so groß war.
In Südeuropa gehören solche Geräte schon zum Standard. Der Haken ist, dass sie warme Luft nach draußen blasen und das Stadtklima somit weiter aufheizen. Doch ohne diese Option wird Wohnen im Sommer zu einer sozialen Frage.
Denn wer kann sich schon eine teure Hitzeschutz-Sanierung leisten? Umso wichtiger, dass die Stadt einen Beitrag leistet, damit das Leben in der Stadt aushaltbar bleibt. Sicher braucht nicht jedes städtische Gebäude sofort ein Kühlgerät. Aber im Klinikum und in Pflegeheimen sollten sie schon zur Grundausstattung gehören.
Außerdem sollte endlich für mehr Schatten im öffentlichen Raum gesorgt werden. Dazu gehört ein höheres Budget für schattenspendende Straßenbäume. Indirekt profitieren davon auch Innenräume, wenn die Sonne nicht mehr ungebremst hineinscheinen kann.
Titelfoto: Bildmontage: picture alliance/dpa, 123.rf, Petra Hornig, Ove Landgraf

