Kampf gegen Gift im Boden: Organismen sollen Schadstoffe aus dem Erdreich verbannen
Dresden - Dresden will eine alte Chemie-Brache mitten in der Wilsdruffer Vorstadt endlich wieder nutzbar machen. Auf dem 15.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Rosenstraße 77 steckt seit Jahrzehnten Gift in Boden und Grundwasser. Jetzt sollen winzige Helfer die Schadstoffe beseitigen - ganz ohne riesigen Erdaushub.
"Bis Ende 2027 wollen wir hier am Standort Rosenstraße ein zukunftsfähiges Areal mit Grünfläche entwickeln", sagt Umweltamtsleiter René Herold (46).
Seit 2018 gehört das Grundstück der Stadt Dresden. Die alten Lager- und Bürogebäude sind bereits abgerissen. Nun geht es dem belasteten Boden und Grundwasser an den Kragen.
Dafür setzt die Stadt auf ein besonderes Verfahren: Mikroorganismen sollen die Schadstoffe direkt im Untergrund abbauen.
"Die Grundidee ist, das Grundwasser sauerstofffrei zu gestalten", erklärt Christine Laskov von der Firma Fugro, die diesen Prozess durchführt.
Damit die Mikroben, also winzig kleine Lebewesen, loslegen können, bringen Fachleute zunächst ein Gemisch aus Eisengranulat und Nährstoffen tief in die Erde ein. Das Eisen reagiert dort und hilft, den Sauerstoff zu verdrängen. Anschließend werden speziell gezüchtete Mikroorganismen eingebracht. Sie sollen die Chemikalien Schritt für Schritt abbauen.
Der Vorteil: Der Boden muss nicht großflächig ausgebaggert und abtransportiert werden. Das spart Aufwand und Kosten. Rund 6,5 Millionen Euro kostet das Gesamtprojekt, 4,8 Millionen Euro kommen aus EU-Fördermitteln. Falls alles funktioniert, soll die Fläche danach gewerblich genutzt werden.
Titelfoto: Petra Hornig
