Dresden - Wie geht's weiter mit dem Lingnerschloss? Nach dem Ratsbeschluss, das Erbbaurecht für die nächsten 44 Jahre (vorerst) nicht den Investoren Thomas Bohn (59) und Oliver Kreider (60) zu überlassen sowie Bedingungen (etwa Sonderkündigungsrecht) für künftige Kaufangebote aufzustellen, hat sich der Staub etwas gelegt.
Hinter den Kulissen wird aber schon wieder verhandelt.
Das Rathaus hat den Vergleich mit der Insolvenzverwaltung vor dem Oberlandesgericht wie vom Rat beschlossen widerrufen. Damit flammt der juristische Streit wieder auf.
Die Stadt fordert den "entschädigungslosen Heimfall", will also ihr Schloss kostenlos von der Insolvenzverwaltung, die das Areal nach der Pleite des Fördervereins vorübergehend verwaltet, zurück.
Verliert die Stadt, droht ein teures Nachspiel. Der Ausgang des Prozesses gilt als offen. Der nächste Termin ist für den 12. Januar angesetzt.
Doch so weit muss es gar nicht kommen. Das Rathaus könne bis zur Wiederaufnahme des Verfahrens eine Einigung zwischen den Interessenten und den Stadträten vermitteln, teilt ein Sprecher der Insolvenzverwaltung mit.
Vorständin Ines Eschler kümmert sich weiter um den Förderverein
Bohn und Kreider hatten vor der entscheidenden September-Ratsabstimmung mitgeteilt, dass sie im Falle einer Ablehnung ihres Angebots Gespräche und Verhandlungen als beendet betrachten würden. Offenbar ein Bluff.
"Wir können Ihnen mitteilen, dass unser Interesse am Schloss sowie an der Übernahme des Erbbaurechts weiterhin besteht", teilt Bohn jetzt mit. Auch die zweite Bietergruppe ("Ein Schloss für alle") sei nach wie vor interessiert, wie Bauinvestor Frank Wießner (52) sagt.
Das Rathaus hat mit dem Insolvenzverwalter abgestimmt, dass es mit beiden Gruppen Kontakt aufnimmt, "um die Möglichkeit für eine Übertragung des Erbbaurechts unter den Vorgaben des Stadtratsbeschlusses abzuklären und zu verhandeln", so ein Rathaussprecher.
"In diesem Prozess befinden sich alle Beteiligten jetzt." Mehr könne man dazu nicht sagen. Beide Gruppen haben nach TAG24-Informationen bereits ihre neuen Angebote eingereicht.
Unterdessen kümmere sich der Förderverein weiter wie gewohnt um die Veranstaltungen (etwa Clubkino, Vorträge, kleinere Konzerte) im Schloss, wie Vorständin Ines Eschler (63) sagt. Geschlossen bleibt vorerst das Restaurant Lingnerterrassen. Die Außengastronomie hat weiter täglich bei schönem Wetter von 11.30 bis 17.30 Uhr geöffnet.