Minusgrade kommen zurück, Nachtcafés geschlossen: Wo schlafen jetzt Dresdens Obdachlose?

Dresden - Seit 1995 gibt es in Dresden sieben Nachtcafés der evangelischen und katholischen Kirche. Sie bieten zwischen November und März Obdachlosen jede Nacht einen Schlafplatz an. Seit Samstag ist die Saison vorbei - doch ausgerechnet jetzt wird's wieder ungemütlich.

Warme Unterkunft, Essen und Getränke sowie die Möglichkeit zum Duschen und Wäschewaschen sind die Angebote in den Nachtcafés.
Warme Unterkunft, Essen und Getränke sowie die Möglichkeit zum Duschen und Wäschewaschen sind die Angebote in den Nachtcafés.  © Arno Burgi/dpa

Die Nächte sind empfindlich kalt, noch vor Ostern werden wieder Minusgrade erwartet. Wo schlafen die Obdachlosen?

Mehr als 2500 Gäste konnte Gerd Grabowski (76) vom Kirchenvorstand im Winter unterbringen. Vor wenigen Tagen wurde er für sein Ehrenamt sogar von der Stadt ausgezeichnet.

"18 Gäste in jeder Unterkunft pro Nacht, bei nur 250 ehrenamtlichen Helfern. Das war eine Menge Arbeit." 90 Prozent der Gäste nutzten die Übernachtungsmöglichkeit, die anderen waren Besucher der Wärmestuben.

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Nun kommen die Minusgrade zurück. Auch Grabowski sorgt sich: "Wir arbeiten niederschwellig. Die bürokratischen Wege für die städtischen Unterkünfte können ein Hindernis sein."

Niemand muss in Dresden erfrieren

Gerd Grabowski (76) koordiniert seit 2010 alle sieben Dresdner Nachtcafés der verschiedenen Kirchgemeinden. Dafür erhielt er kürzlich die dritthöchste Auszeichnung der Stadt Dresden.
Gerd Grabowski (76) koordiniert seit 2010 alle sieben Dresdner Nachtcafés der verschiedenen Kirchgemeinden. Dafür erhielt er kürzlich die dritthöchste Auszeichnung der Stadt Dresden.  © Norbert Neumann

Ein Angestellter der Heilsarmee im Dresdner Lindenhaus kann Auskunft geben: "Es gibt mehr Menschen ohne Obdach, als man glaubt. Sie organisieren sich, finden hier oder da eine Nische. Aber es werden mehr und der Winter ist immer hart."

Wer nicht mehr weiter weiß, kann immer zur Heilsarmee kommen: "Wir haben sicher Kaffee da oder eine Isomatte und Schlafsäcke." Niemand muss in Dresden erfrieren.

Mit dem Übergangswohnheim "Boofe" in der Hechtstraße gibt es eine städtische Anlaufstelle, die im Notfall weiterhelfen kann.

Titelfoto: Bildmontage: Arno Burgi/dpa/Norbert Neumann

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