Dresden - Tag fünf nach der Zwangsräumung und Familie Rednik lebt weiterhin auf dem Fußweg der Stephensonstraße in Dresden-Leuben. Auch die zehnjährige Tochter Zarina verbringt den Tag ohne Obdach. Am Freitag war das Jugendamt zu Besuch.
Zarina wurde zu Hause geboren, hat keine Geburtsurkunde, hat nie einen Kindergarten oder eine Schule besucht "und ist ein freies Kind", betont Vater Michael Rednik (57).
Eine Woche vor der Zwangsräumung kamen zwei Angestellte vom Jugendamt zu Besuch, am Abend der Zwangsräumung bot das Amt Hilfe an, am Freitag erschienen die Sozialarbeiter an der Straße: "Sie fokussierten sich ausschließlich auf Zarina und einen Nachweis für ihre derzeitige Unterbringung", berichtet Mutter Annette.
Derzeit übernachtet Zarina mit der Mutter nachts bei einer Nachbarin, tagsüber sitzt sie bei der Familie an der Straßenecke oder spielt mit ihren Freundinnen in der Nachbarschaft.
Im Dresdner Jugendamt gilt es dabei als Ultima Ratio eine sogenannte Inobhutnahme durchzuführen.
Jan Donhauser (57, CDU), Bürgermeister für Bildung und Jugend, betont auf Nachfrage: "Es gibt keine sanften Inobhutnahmen, sie sind ein schwerwiegender Eingriff und haben traumatische Auswirkungen auf ein Kind."
Jugendamt bleibt "verpflichtet", Hinweisen auf Kindeswohlgefährdungen nachzugehen
Doch dazu ist es in der Familie bereits gekommen, als 2015 die ältesten drei Töchter "vom MEK brutalst mit Waffengewalt entführt und in getrennte Heime verschleppt" wurden, erinnert sich Michelle (25). Die Schwestern hätten sich "durch Verweigerung selbst befreit".
Anna (24) ergänzt, es sei zu einer Verhandlung in Dresden gekommen "und da haben wir gesagt: 'Wir gehen jetzt nach Hause' und sind gegangen. Sie wussten, dass wir nach Hause gehen, wenn wir in Dresden sind."
Das Jugendamt bleibt "verpflichtet", Hinweisen auf Kindeswohlgefährdungen nachzugehen, auch Maßnahmen zum Schutz des Kindes einzufordern.
"Das können ganz praktische Forderungen sein wie zum Beispiel von 'Bis morgen hat das Kind ein Bett mit dem dazugehörigen Bettzeug' bis hin zum Aufsuchen einer Therapie", so Bürgermeister Donhauser.