Dresden - Nach seinem Auszug Ende Februar aus dem Dresdner Hechtviertel ist der beliebte Umsonstladen "Kinder Kleidung Austausch" (KIKLA) nun in Pieschen zu finden. Beim Eröffnungswochenende am 26. und 27. September feierten Familien, Helfer und Künstler den Neustart. TAG24 sprach mit den Organisatorinnen des Vereins über den neuen Standort - und über Zukunftsvisionen.
Von der Rudolf-Leonhard-Straße 39 in die Rehefelder Straße 39b: Die Straßen und Hausnummern könnte man glatt verwechseln, doch der KIKLA selbst hat sich stark verändert!
"Im vergangenen Winter stand ich davor und dachte: Das ist es, das ist perfekt", erzählt eine der Organisatorinnen, Sina Gutsche (39), im TAG24-Interview. Einst befand sich in dem Gebäude neben dem leer stehenden Sachsenbad eine Zweigstelle der Städtischen Zentralbibliothek. Jetzt wurden die Räumlichkeiten umgebaut und bieten auf rund 140 Quadratmetern Platz für Kleidung, Spielzeug und Bücher – und vor allem für Begegnungen.
Eine mobile Rampe macht den Laden, der sich praktischerweise direkt am Spielplatz "Wurzener Straße/Rehefelder Straße" befindet, für alle zugänglich; ein barrierefreies WC soll bald folgen.
Beim Eröffnungswochenende war die Stimmung ausgelassen: Das "Trio Klarina", das "Saxquartett" sowie "Fiatelle", "Eddi Paletti" und Zauberkünstler "Joschka" sorgten für Programm. "Es war perfekt – man kann es nicht anders sagen", schwärmt das Team.
Dass der Umsonstladen so schnell und reibungslos ein neues Zuhause gefunden hat, ist auch Sozialbürgermeisterin Dr. Kristin Klaudia Kaufmann (50, Linke) zu verdanken. "Sie hat uns auf dem Weg zum neuen Standort sehr unterstützt. Ohne sie wäre vieles nicht so gut gelaufen", sagt das Team von KIKLA.
Hunderte Kisten - große Pläne
Die neue Umgebung macht sich vor allem in der Kundschaft bemerkbar: Pieschen sei ein "ganz anderer sozialer Raum", so Gutsche. Es gebe hier deutlich mehr Familien und Kinder als am alten Standort. "Der Bedarf und die Wertschätzung der Menschen, die hier leben, sind sehr hoch", ergänzt sie. An gut besuchten Tagen kommen auch mal bis zu 60 Familien zum Stöbern und Quatschen vorbei.
Weil viele der Mitarbeiterinnen und Helferinnen selbst in Elternzeit oder im Mutterschutz sind, öffnet der Laden meist von 9.30 bis 17.30 Uhr.
Ganz fertig ist das neue KIKLA-Zuhause allerdings noch nicht. Hunderte Kisten mit Sachspenden, die sich derzeit noch im Nebenraum des Ladens stapeln, sollen demnächst in einem Einbauschrank verschwinden, damit dort Platz für zukünftige Angebote wie zum Beispiel "Yoga für FLINTA*" entsteht.
Außerdem träumt das Team von einem Klavier für alle, einer Küche und einem Frauenchor mit feministischen Liedern. Für die Kinder der Mitarbeiterinnen und Kunden soll zudem mitten im Laden ein kleiner Indoor-Spielbereich entstehen - entworfen von einer Spielplatzbauerin aus der bekannten Kulturinsel "Die Geheime Welt von Turisede". Auch ihren Büchertauschschrank will das Team bald vor dem Laden aufstellen, noch steht dieser im AZ Conni.
Umsonstladen ist auf Unterstützung angewiesen
Seit einem Jahr ist das Projekt als KIKLA e.V. organisiert. Der Schritt zum Verein sei wichtig gewesen, um unabhängiger zu werden, erklärt das Team. Der Laden lebt von rund 50 Helferinnen, darunter allein 13 Frauen im Organisationsteam.
Auch Menschen, die Sozialstunden leisten, packen mit an – manche seien dem Projekt anschließend als Unterstützerinnen und Unterstützer treu geblieben. Besonders willkommen seien weitere Ehrenamtliche, darunter auch Rentnerinnen, die Anschluss suchen, betont Sina Gutsche.
Finanzielle Hilfe ist weiterhin über die Website Betterplace möglich. Gesucht werden außerdem Fördermitglieder und Unternehmen, die zum Jahresende spenden möchten.
Denn hinter den lila Regalen mit Büchern und Spielzeug steckt nicht nur ein Umsonstladen – sondern auch ein Ort, an dem Menschen ins Gespräch kommen und füreinander da sind.