Dresden - Keine Noten, dafür viel Bewegung und Kreativität: 90.000 Kinder lernen an 258 sogenannten Waldorfschulen in ganz Deutschland. Das mehr als 100 Jahre alte Konzept ist staatlich anerkannt - und hochumstritten. Investigativ-Journalist Günter Wallraff (83) schleuste sein Team für eine neue RTL-Serie ein. Und lässt kein gutes Haar an sächsischen Schulen.
Es gibt so viele dieser Schulen wie nie zuvor, Tendenz steigend, sagt Wallraff in der ersten Folge der neuen RTL-Staffel "#wallraffen".
Esoteriker Rudolf Steiner (1861-1925) hatte das Konzept 1919 für den Unternehmer Emil Molt (1876-1936) entwickelt, Gründer der Zigarettenmarke Waldorf-Astoria.
Es ist bis heute eine staatlich anerkannte Ersatzform, in der die über 100 Jahre alten Thesen des Anthroposophen Steiner noch immer gelehrt werden.
Bis zur 8. Klasse begleitet eine Lehrkraft die Kinder und unterrichtet Kernfächer. "Für manche Kinder ist das sicher ein Vorteil", so Wallraff weiter. Der Staat unterstützt diese Schulform mit mehr als einer halben Milliarde Euro jährlich.
Sachsen gab im Schuljahr 2024/25 dem Film zufolge knapp 30 Millionen für neun dieser Schulen im Freistaat aus.
Freie Waldorfschule Sachsen streitet fast alle Vorwürfe ab
Zwei davon stehen im Zentrum der Doku: Wallraff-Kollegin "Antonia" bewirbt sich undercover bei der Waldorfschule in Görlitz. Die schickt sie zu einem Lehrseminar nach Dresden.
An der hiesigen Waldorfschule bekommt sie unfassbare Zustände geschildert: Eine Lehrerin vor Ort nennt die Lehr-Ausbildung dort "Schnellbesohlung".
Zwei Jahre wurde sie nur ausgebildet, berufsbegleitend - ohne Studium oder gar Abitur. "Inhaltlich lernst du genau nichts", sagt ein anderer.
Eine Lehrerin gibt zu, sie habe in Geografie und Geschichte erklärt, warum die Stoffe unterrichtet werden. "Das Inhaltliche, das ist dann Selbststudium." Schüler der Freien Waldorfschule in Dresden berichten, es gebe nicht mal ein Mathebuch. Zwischen einzelnen Übungen lägen zum Teil Monate.
Die Freie Waldorfschule Sachsen streitet fast alle Vorwürfe ab. Was sie sagen, seht Ihr am besten selbst. Nachzuschauen bei RTL+.