Todesdroge kostet Teenager (†16) aus Sachsen das Leben: "In meinem Kopf gibt's nur Florentin, nur das eine Wort"
Dresden - Ein junges Leben, ausgelöscht durch eine Todesdroge: Vor rund einem Jahr verstarb der 16-jährige Florentin aus Dresden nach dem Konsum von Isotonitazepyn, einem synthetischen Opioid. Die bewegende Geschichte dahinter erzählt der MDR in einer neuen Folge seiner Reportagereihe "exactly". Dafür trifft der investigative Journalist Albrecht Radon nicht nur die Freunde des Jugendlichen, sondern auch seine Familie.
"Tatsächlich denke ich eigentlich von früh bis abends an nichts anderes. In meinem Kopf gibt's nur Florentin, nur das eine Wort", kämpft Mutter Xenia L. im Interview mit den Tränen.
Sie wohnt am Rande der sächsischen Landeshauptstadt, hatte nach langem Überlegen einem Gespräch zugestimmt. In der ersten Etage des Hauses zeigt sie dem Reporter das Zimmer ihres Sohnes – ein Teenager-Paradies mit LED-Wolkenhimmel und Gaming-Ecke.
"Er war ein richtig guter Torwart", sagt Xenia. Ihr Sohn habe zudem eine große Leidenschaft für Traktoren besessen. "Es war schon immer sein Traum, das beruflich zu machen. Er war sogar schon für den Traktor-Führerschein angemeldet."
Florentin sei ein lebhaftes Kind gewesen, hätte jedoch auch mit Tourette und einer Form von Autismus zu kämpfen gehabt. "Schule war der schlimmste Ort für ihn [...], weil dort einfach Anforderungen gestellt wurden, die er so nicht erfüllen konnte", erzählt Xenia. Ein Unterricht übers Internet sei von den Ämtern abgelehnt worden. Die Folge: Mit 14 Jahren habe ihr Sohn das erste Mal zu Drogen gegriffen.
Freunde über Florentins Wille zum Kauf härterer Drogen: "Hat einfach Bock drauf gehabt"
Mutter Xenia erinnert sich: "Er ist dünn geworden, sehr dünn geworden." Sie habe gewusst, was mit Florentin los ist. "Wir hatten eine ganz gute Kommunikation, aber ich konnte es letztendlich nicht verhindern. In dem Alter kann man die Kinder [...] ja nicht einsperren."
An einem Samstag im Oktober 2025 geriet die Situation schließlich außer Kontrolle, erfährt der MDR-Reporter im Gespräch mit Florentins Freunden: "Er wollte sich eigentlich nur Meth holen, aber kam dann auf die grandiose Idee, sich Crack holen zu wollen."
Sein Dealer habe ihm etwas Neues vorgeschlagen, nämlich Isotonitazepyn, was er sich wenig später am Dresdner Hauptbahnhof abgeholt habe. Doch warum dieser noch härtere Stoff? Dazu die beiden Kumpels: "Langeweile. Er hat einfach Bock drauf gehabt."
Florentin habe die gestreckte Droge durch die Nase gezogen, sei danach immer ruhiger geworden, habe sich in seinem Zimmer aufs Bett legen müssen. Am nächsten Morgen dann der Schock: "Er hatte so bläuliche Lippen. Da habe ich dann sofort den Krankenwagen gerufen", erzählte Mutter Xenia. Doch es war zu spät: Der 16-Jährige erlitt einen Herz-Kreislauf-Stillstand, sein Gehirn wurde irreparabel geschädigt. Fünf Tage später werden in der Klinik die lebenserhaltenden Maschinen abgestellt.
Das Dresdner Landgericht verurteilte Dealer Anton B. (22) zu einer Haftstrafe von vier Jahren und acht Monaten. Sein Anwalt will das jedoch nicht akzeptieren. Er legte Revision beim Bundesgerichtshof in Leipzig ein.
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Titelfoto: Montage: MDR/S. Giebel (2)

