Dresden - Mitte Dezember machte die Stadt die Belastung von Gewässern im Norden mit schädlichen Industriechemikalien (PFAS) öffentlich. Nun gibt es neue Erkenntnisse.
Im November führte das Umweltamt erneut Messungen an Standorten rund um den Dresdner Flughafen durch.
Die erhobenen Daten bestätigten frühere Befunde, auch des Landesumweltamtes: Insbesondere im Bereich des Ziegeleiteiches und des Ziegeleibachs (westlich des Airports) sind die gesetzlich vorgeschriebenen Grenz- und Orientierungswerte um ein Vielfaches überschritten.
Für die gesundheitsgefährdenden Stoffgruppen PFAS-20 und PFAS-4 gelten in der Trinkwasserverordnung Grenzwerte von 0,1 Mikrogramm pro Liter (gesetzlich ab 2026) beziehungsweise 0,02 Mikrogramm pro Liter (ab 2028).
Im Ziegeleiteich wurde PFAS teils in Konzentrationen von über 1 Mikrogramm pro Liter nachgewiesen. Auffällig sind auch die Befunde im Dornbuschgraben, im Seifenbach und im Brueghel-Teich.
Zehn von elf Brunnen überschreiten Grenzwerte
Untersucht wurden sowohl das Oberflächenwasser als auch die Sedimente, außerdem das Hahnenwasser von elf Brunnen in der nahe gelegenen Siedlung. Zehn dieser Brunnen überschreiten die Grenzwerte, vier davon "sehr deutlich", sagte Umweltamtsleiter René Herold (45).
Das Rathaus lässt deshalb eine Allgemeinverfügung erarbeiten, die die Entnahme von Grund- und Oberflächenwasser untersagen soll.
Registrierte Brunnenbesitzer wurden laut Stadt bereits im Juli 2025 schriftlich informiert und zur Einschränkung der Nutzung des Wassers auf Zwecke außerhalb von Trinkwasser und Essenszubereitung angehalten.
Für die Versorgung der vom Netz unerschlossenen Siedlung mit schadstofffreiem Trinkwasser – etwa über mobile Tankwagen – sieht die Verwaltung den Versorger DREWAG in der Verantwortung.
Ursache weiter unklar
Im Bereich der Teichkette Weixdorf, zu der auch das Waldbad gehört, liegen die Werte im Nanogramm-Bereich und damit deutlich niedriger. Baden und Wassersport sollen dort im Sommer möglich sein.
Der Fisch aus diesen Gewässern dürfe jedoch nicht verkauft werden, bekräftigte Kerstin Normann (62), Leiterin des Veterinäramtes. Was mit den Tieren des vor dem Aus stehenden Fischereibetriebs geschehen soll, ist weiterhin unklar.
Offen ist auch die Frage nach der Ursache: PFAS kommen in verschiedenen Industriezweigen zum Einsatz und waren bis 2021 ein legaler Bestandteil von Löschschaum, der auch am Flughafen verwendet wurde.
Hinweise auf eine Havarie gebe es nicht, die Nachforschungen dauerten weiter an, teilte die Stadt mit.