Wärmesensoren erkennen Passanten und schalten auf "Grün": Dresdens erste Ampel, die "fühlt"

Dresden - Unzählige Ampeln pflastern Dresdens Straßen – nun gab es ein Upgrade für die Verkehrsregelung. An der Saalhausener Straße in Naußlitz gibt es jetzt Dresdens erste Ampel, die "fühlt".

Vor der Grundschule in Naußlitz lenkt nun die High-Tech-Ampel den Schülerstrom.
Vor der Grundschule in Naußlitz lenkt nun die High-Tech-Ampel den Schülerstrom.  © Thomas Türpe

Für das Straßenüberqueren gibt es ja eigentlich die gelben Taster. Nach umfassenden Tests kam jetzt aber offiziell die Ampel, die nicht mehr angefasst werden muss – was nicht nur in Pandemiezeiten sicher viele Dresdner gut finden. Sie funktioniert mit Radar- bzw. Wärmebildtechnik, die die erforderlichen Fußgänger-Grünzeiten erkennen soll.

Die Temperaturunterschiede werden in Grauschattierungen umgewandelt und als Grün-Anforderung an die Ampel gesendet. Dadurch lassen sich bei Bedarf sogar die Ampelzeiten verlängern. Und: Die Wärme-Kamera funktioniert sogar im Hochsommer, wenn Körper und Umgebung fast gleich warm sind, genau wie bei Hunden oder Kindern.

So viel zur Theorie. Aber wie sieht es in der Praxis aus? Wir waren vor Ort und haben die neue Ampel ausprobiert. Sie fühlt schnell die menschliche Nähe und schaltet sofort das Signal. Es dauerte bei jedem Anlauf nur etwa fünf Sekunden, bis man gehen konnte.

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Auch für die Kinder ist die neue Technik von Vorteil: Sie können alle gemeinsam und in kürzester Zeit die Straße überqueren. Nach Unterrichtsschluss strömten sie aus allen Ecken der anliegenden Grundschule. Aber niemand hat versucht zu drücken. "Sie wurden schon in der Schule informiert, dass die Ampel jetzt merkt, dass sie da sind", sagt ein Vater im Vorbeilaufen.

Intelligentes Design für einen reibungslosen Verkehr?

Abseits der hygienischen Vorteile bewirkt die High-Tech-Ampel auch einen flüssigen Verkehr. Denn genauso schnell, wie der Fußgänger überqueren darf, wird es auch wieder Grün für die Autofahrer, die ohne Menschen in Ampelnähe immer durchfahren können. Wo kein Bedarf, da keine Aktion. Doch auch Verbesserungswünsche vonseiten der Bürger gibt es, denn die Sensoren lösen nicht immer sofort aus. "Eine Abgrenzung mit dem Hinweis, ab wo genau man tatsächlich von ihnen erkannt wird, wäre gut", so Lehrerin Katrin Scheicher-Nebe (56).

Grünes Licht für weitere solcher Projekte in der Stadt gibt es noch nicht. "Nach Abschluss der Testphase kann über den weiteren Einsatz entschieden werden", erklärt das Straßen- und Tiefbauamt Dresden. Es bleibt also abzuwarten, ob die Ampel der Zukunft von Dauer ist.

Ampel-Überqueren im Selbsttest: Reporterin Claudia Rausch (25) stellt die neuen Sensoren auf die Probe.
Ampel-Überqueren im Selbsttest: Reporterin Claudia Rausch (25) stellt die neuen Sensoren auf die Probe.  © Thomas Türpe
Mit diesen Wärmesensoren soll in Zukunft das Überqueren der Straße vereinfacht werden.
Mit diesen Wärmesensoren soll in Zukunft das Überqueren der Straße vereinfacht werden.  © Thomas Türpe

Auch andere Städte sind auf dem Sensor-Trip

Die "fühlende" Ampelschaltung arbeitet in Sekundenschnelle.
Die "fühlende" Ampelschaltung arbeitet in Sekundenschnelle.  © Thomas Türpe

Diese Form der Fußgänger-Erkennung wird erstmals in Dresden eingesetzt. Andere Städte sind schon länger auf dem Sensor-Trip: Bremen und Düsseldorf verfügen bereits seit vergangenem Jahr über intelligente Verkehrsregler.

Mit dem Prototyp sollen neue Erkennungsmöglichkeiten insbesondere von Fußgängern gewonnen werden. Die Bauzeit betrug fünf Wochen. Parallel dazu wurde bis zur Düsseldorfer Straße die öffentliche Beleuchtung erneuert.

Die Gesamtkosten der Baumaßnahmen betragen 109.000 Euro. Sie werden durch das Dresdner Straßen- und Tiefbauamt finanziert.

Titelfoto: Thomas Türpe

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