Zeugnisse für 64.000 Dresdner Schüler - da sind offene Ohren sehr gefragt

Dresden - Mit dem Start der Sommerferien bekommen am heutigen Freitag etwa 64.000 Schüler in Dresden ihre Zeugnisse. Doch während die einen mit strahlenden Gesichtern nach Hause laufen, graut es den anderen vor dem Urteil der Eltern. Abhilfe und Mut schaffen diese offenen Ohren.

Endlich Sommerferien! Etwa 64.000 Kinder bekommen in Dresden ihre Zeugnisse.
Endlich Sommerferien! Etwa 64.000 Kinder bekommen in Dresden ihre Zeugnisse.  © Imago/POP-EYE

Dabei geht es längst nicht nur um schlechte Noten. Eine gefährdete Versetzung, schulische Überforderung oder eben die Frage, wie mit den Eltern zu sprechen ist: Die 35 ehrenamtlichen Beraterinnen des Kinderschutzbunds Dresden kümmern sich um allerhand Sorgen und Nöte.

"Interessieren sich Eltern für ihre Kinder, wissen sie meistens auch, wie die Zeugnisse ausfallen", schildert Christine Baudiss (59) ihre Erfahrungen aus 30 Jahren Kinder- und Jugendhilfe.

Die Sozialpädagogin arbeitet dort als hauptamtliche Koordinatorin der Telefondienste. "Wir versuchen, die anrufenden Kinder zu bestärken. Ihnen klarzumachen, dass sie mehr sind als die schlechte Note in Sport oder Mathematik."

Dresden: Mit Mitarbeitern der ersten Stunde! Das ist das letzte Altenheim der DDR
Dresden Lokal Mit Mitarbeitern der ersten Stunde! Das ist das letzte Altenheim der DDR

Dabei gehen deren Anliegen mitunter weit über das Schulische hinaus. Die Anrufenden berichten auch von Liebeskummer, fehlendem Lebenssinn oder sogar Selbstmordgedanken.

Doch so sehr sich die Themen auch unterscheiden, so sehr steht für Baudiss bei der Arbeit ein Grundsatz im Vordergrund: die Hilfe zur Selbsthilfe. "Wir wollen die Kinder wieder in das Gefühl von Selbstwirksamkeit bringen", erklärt sie.

Dazu gehöre auch, offen zu besprechen, wer für die Betroffenen im schulischen oder privaten Umfeld ein verlässlicher Ansprechpartner ist.

Manche Schüler fürchten bei schlechten Noten Bestrafungen oder die soziale Kälte ihrer Eltern.
Manche Schüler fürchten bei schlechten Noten Bestrafungen oder die soziale Kälte ihrer Eltern.  © IMAGO/Bernhard Classen
Sucht noch ehrenamtliche Verstärkung: Christine Baudiss (59), Koordinatorin beim Kinderschutzbund in Dresden.
Sucht noch ehrenamtliche Verstärkung: Christine Baudiss (59), Koordinatorin beim Kinderschutzbund in Dresden.  © Norbert Neumann

Kinder und Jugendliche finden montags bis samstags (14-20 Uhr) telefonische Unterstützung unter 116 111 oder im Netz unter: nummergegenkummer.de

Eltern wählen mit ihrem Anliegen die 0800 111 0 550 (montags bis freitags, 9-11 Uhr, dienstags und donnerstags zusätzlich 17-19 Uhr).

Titelfoto: Norbert Neumann, IMAGO/POP-EYE

Mehr zum Thema Dresden Lokal: