Dresden - Pracht, Macht, Opulenz – so wurde Dresden mit seinem Residenzschloss einst zu einem der galantesten Höfe Europas. Zu erleben ist dies nun wieder in der rekonstruierten Festetage. Der Rundgang durch die neue Dauerausstellung "Masken und Kronen. Festkultur und Machtrepräsentation am Dresdner Hof" überwältigt.
Seit mehr als 40 Jahren dauert die Rekonstruktion des Residenzschlosses an. Nun können Besucher erstmals wieder bei einem Rundgang die historischen Repräsentationsräume erleben.
Für Bernd Ebert (54), Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), ist dies ein "enorm wichtiger Schritt auf dem Weg zur endgültigen Fertigstellung". 2028 wird es sein, bis dahin fehlen noch die Gotische Halle und der Schlosshof. Dennoch sei mit der Öffnung der Festetage ein Meilenstein erreicht.
Ab Mittwoch können Museumsgäste erstmals wieder die Repräsentationsräume im Propositionssaal und dem Großen Ballsaal in ihrer vollen Pracht erleben. "Mir war die Besucherperspektive besonders wichtig", sagt Ebert. Der Rundgang endete für Flaneure meist in Sackgassen. "Jetzt ist das höfische Leben wieder vollständig erfahrbar."
Es zeige sich ein Ort, der wohl weltweit einzigartig sei. Gezeigt werden Objekte der Festkultur, des höfischen Lebens, Requisiten von Turnierkämpfen, Maskeraden und Aufzügen in einer historisch rekonstruierten Umgebung.
Obwohl: Einen komplett historischen Zustand gebe es nicht. Ebert: "Es ist eine Collage verschiedener Baustile und Nutzungen vom Mittelalter, über die Renaissance, den Barock, das 19. Jahrhundert bis hin zum 21. Jahrhundert."
Viele Teile werden erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder ausgestellt
Die neue Dauerausstellung "Masken und Kronen. Festkultur und Machtrepräsentation am Dresdner Hof" macht in den nun fertiggestellten Sälen das höfische Leben anhand von über 450 Objekten erlebbar. Marius Winzeler (50), Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer, sagt: "Mit diesem Rundgang knüpfen wir an die Zeit an, als hier das Herz des höfischen Lebens pochte." Die Dauerausstellung zeige, welch enorme Schätze die Sammlungen der SKD besitzen.
Und die sind in Teilen erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg überhaupt wieder ausgestellt. Kurator Holger Schuckelt, Oberkonservator der Rüstkammer: "In dieser Komplexität waren etliche Exponate seit Jahrzehnten nicht mehr zu sehen."
Freier Eintritt mit Barockkostüm
Der vollendete Rundgang durch die Festetage führt Besucher von der Englischen Treppe in eine Reihe prächtiger Festsäle. Im Großen Ballsaal prunken und strahlen höfische Festrequisiten des 16. bis 18. Jahrhunderts: vergoldete Helme, Silberharnische, Prunkwaffen und außergewöhnlich geschmückte Pferde.
Zu den beeindruckendsten Exponaten zählt ein Schlittenzeug mit über 500 Glöckchen, das der Sohn Augusts des Starken, Friedrich August II., nutzte, um 1719 in Wien um die Hand der Kaisertochter Maria Josepha anzuhalten. Diese Feier sowie der Besuch des dänischen Königs Frederik IV 1709 am Dresdner Hof bilden den Mittelpunkt der abgebildeten Festivitäten, die gleichzeitig auch europäische Machtdemonstration waren und weltweit beeindrucken sollten.
Die SKD-Eröffnungs-Festwoche beginnt morgen mit einem Tag der offenen Tür und endet am Sonntag. Angeboten werden Führungen zu Königskrönungen, Schlittenfahrten und Maskenbällen.
Es erklingen barocke Musikinstrumente, vorgestellt werden überdies Perücken und ein originales Parfüm aus Augusts Zeit – Eintritt frei im Barock-Kostüm (!). Programm unter: https://ruestkammer.skd.museum.