Comödie lässt die Puppen tanzen: Premiere des Musicals "Villa Sonnenschein"

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Dresden - Um Liebesleid und Intrigen im Altersheim dreht sich alles in der Musical-Komödie "Villa Sonnenschein". Der Clou: Während die Senioren "echt" sind, agieren Heimleitung und Pflegepersonal als lebensgroße Muppet-Puppen. Zusammen sorgen sie für quirliges Vergnügen mit jeder Menge "Sesamstraßen"-Flair in der Comödie Dresden. Die bejubelte Premiere war am Freitag.

Die Heimleitung und das Pflegepersonal wird von lebensgroßen Muppet-Puppen gespielt.
Die Heimleitung und das Pflegepersonal wird von lebensgroßen Muppet-Puppen gespielt.  © Robert Jentzsch

In der "Villa Sonnenschein" geht's ziemlich trist zu: Die Bewohner Hubert (Roland Florstedt), die einstige Sanges-Diva Carlotta (Cornelia Drese) und Rollator-Gustel (Astrid Schulz) werden eher verwahrt als betreut. Sie dämmern in ihren jahrzehntealten Erinnerungen, antworten auf die Frage: "Wie kann ich Ihnen behilflich sein?" mit "Erschieß mich!" und singen das Lied "Angst vorm Tod".

Die Stimmung ist also mies, das merkt der neue Zivi Felix (seine Puppe wird von Louis Dietrich geführt) sofort.

Ebenso schnell verguckt er sich in die Leichenbestatter-Azubine Melanie (Loena Dehmelt), Tochter der rigorosen Heimleiterin Mechthild (Charlotte Heinke). Die hegt mit dem schmierigen Dr. Mathieu (Benjamin Sommerfeld) profitgierige Pläne mit den ruhigzustellenden "Insassen".

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Zu Felix' Verdruss ist Melanie hingerissen von den Avancen des eitlen Chefarztes (der schreiend-komischer Publikumsliebling wird). Die Senioren müssen neuen Lebensmut fassen, um ihm und sich selbst zu helfen. Dabei sorgen sie für tränenziehende Momente und ein rührendes Happy-End.

"Villa Sonnenschein" sorgt beim Publikum für Lachtränen

Die Stimmung in der "Villa Sonnenschein" ist alles andere als heiter.
Die Stimmung in der "Villa Sonnenschein" ist alles andere als heiter.  © Robert Jentzsch

Die Musicalcomedy von Martin Lingnau (Story und Musik), Thomas Matschoss (Buch) und Heiko Wohlgemuth (Songtexte) gibt's schon eine Weile, wurde 2005 im Hamburger Schmidt Theater uraufgeführt, erwies sich als Dauerbrenner. In der hiesigen Regie von Bart De Clercq hat "Villa Sonnenschein" nichts an Pep und Schwung verloren.

Themen wie Pflegenotstand oder profitorientierter Heimbetrieb werden zwar gestreift, doch eher karikierend und unterkomplex.

Nicht schlimm: Bei einer zünftigen Boulevardkomödie will das Publikum ja lieber Mitklatschen zu schmissigen Songs und viel Lachen. Dafür gibt es reichlich Gelegenheit.

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Zu verdanken ist dies nicht zuletzt dem tollen Puppen-Design und der detailverliebten Ausstattung (Anne Konstantin Lahr) - da wird Hündchen Luis zum heißblütigen Latino-Macho, da werden aufgehängte Keiler-Köpfe, Sonnenblumen-Bilder und eine nölige Hippie-Wandlampe (!) lebendig.

Das alles ist kurzweilig, charmant und sehr lustig. Mitreißende Unterhaltung.

Titelfoto: Robert Jentzsch

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