Manufaktur will Museum erweitern: Hier lebt Dresdens Schokoladen-Erbe weiter
Dresden - Mit August dem Starken fing alles an. Der Monarch brachte im 18. Jahrhundert von seinen Reisen aus Frankreich die Trinkschokolade mit nach Dresden. Vor gut 150 Jahren war Dresden schließlich in aller Munde - als deutsche Hauptstadt der Schokoladenindustrie. Die sächsische Firma Camondas hat sich auf die Fahne geschrieben, dieses Kapitel der Stadtgeschichte zu bewahren und den Genuss von Schokolade tagtäglich zu zelebrieren.
Dresden präsentiert sich auf der Schloßstraße von seiner Schokoladenseite. Das hat auch ganz viel mit der Firma Camondas zu tun. Das lokale Unternehmen ist dort vertreten mit einem Café, zwei Eisläden, einem Kontor und einem Museum.
Camondas-Gründer Ivo Schaffer (51) hat als Unternehmer eine Mission. "Aus Liebe zur Schokolade möchten wir über echte Schokolade aufklären. Bei uns können die Menschen den Unterschied zwischen Produkten der Industrie und besonderen Sorten aus aller Welt schmecken. Wir verkaufen bei uns die Schätze engagierter Kakaobauern und feiner Manufakturen."
Insgesamt rund 1000 verschiedene Schokoladen von über 40 Herstellern umfasst das Camondas-Sortiment. Die Idee für ein Dresdner Schokoladenmuseum trug Schaffer lange im Herzen. Was klein begann, soll jetzt ganz groß werden.
Camondas plant, die Ausstellungsfläche seines bestehenden Museums auf rund 400 Quadratmeter zu verdoppeln. Ab 2027 will Schaffer noch umfangreicher vom süßen Aufstieg Dresdens im vergangenen Jahrhundert berichten. Zudem plant er eine Event-Erlebnis-Werkstatt Schokolade.
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Erweiterung des Museums erfordert eine kostspielige Investition
Camondas (zurzeit 50 Beschäftigte) besitzt eine Sammlung von 1300 historischen Schokoladenformen des Dresdner Fabrikgründers Anton Reiche. Der Schatz ist eine Dauerleihgabe der Nachfahren des Unternehmers.
"Die Formen wollen wir wieder zum Leben erwecken", sagt Schaffer mit strahlenden Augen. Zukünftig sollen seine Gäste sich Formen aussuchen können für die Herstellung eigener Schoko-Kreationen.
Er lacht: "Das wird ein Fest für alle - auch die Formen. Die haben gut 80 Jahre keine Schokolade gesehen." Mehr als 135.000 Euro sind für die Erweiterung des bestehenden Museums veranschlagt.
Schaffer: "Für unsere Firma ist das eine große Summe. Wir wollen wir versuchen, das auch über eine Crowdfunding-Kampagne mitzufinanzieren."
Im 19. Jahrhundert boomte die süße Industrie
Dresden war nicht nur seit dem Barock ein Ort des gehobenen Konsums. Die Nachfrage nach Luxusgütern wie Schokolade und Pralinen legte den Grundstein für eine Industrie mit Massenproduktion.
Der Aufschwung der Stadt zum süßen Zentrum begann vor allem mit dem Transport von Rohrzucker aus Hamburg über die Elbe. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts avancierte Sachsen - und speziell Elbflorenz - zum Zentrum der deutschen Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Allein in Dresden zählte man zeitweise über 50 Schokoladenhersteller.
Nicht selten hatten die Fabrikationsstätten damals ihren Ursprung in bereits bestehenden Kolonialwarenhandlungen oder Kaffeehäusern. Prominentes Beispiel: das Dresdner Unternehmen Jordan & Timaeus. Die erste sächsische Schokoladenfabrik wurde 1823 gegründet.
Titelfoto: Fotomontage/Thomas Türpe

