Neues Kriminaltechnisches Institut: Wunderwaffe gegen Schwerverbrecher

Dresden - Sachsens Kriminal-Spezialisten bekommen ein neues Zuhause: Am Freitag konnte zumindest schon der Rohbau des neuen Kriminalwissenschaftlichen und -technischen Instituts (KTI) eingeweiht werden. Bislang verteilen sich die Experten auf gleich vier Gebäude.

SIB-Dresden-Chef Ulf Nickol (55) zeigte gestern den Rohbau des neuen Instituts.
SIB-Dresden-Chef Ulf Nickol (55) zeigte gestern den Rohbau des neuen Instituts.  © Holm Helis

"Ein historischer Tag", sagt LKA-Chef Petric Kleine (57) zum gestrigen Richtfest. "Ich hatte nicht gedacht, dass wir so gut im Zeitplan liegen." 

Im Juni 2019 war der erste Spatenstich, trotz Corona-Pandemie rechnet der Freistaat mit Fertigstellung bis 2022. Rund 60 Millionen Euro kostet der Fünfgeschosser.

Schon so gut wie fertig sind die zwei Schießanlagen im Keller. "In die eine kommt eine Art 3,50 Meter hoher Bottich mit Wasser", erklärt Ulf Nickol (55), Dresden-Chef des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). "Dort wird von oben herein geschossen. Das Projektil fällt dann unten in eine Art Trichter." 

Anschließend kann es ein Experte unbeschädigt entnehmen und feststellen, ob es dieselben Spuren wie ein gefundenes Projektil aufweist.

Gleich neben dieser Anlage befindet sich auch noch eine Längsschießbahn, 25 Meter lang. "Die Räume sind mit extra festem, schusssicherem Beton versehen", erklärt Nickol. "Darüber kommt aber noch ein weiches Material, dass die Kugel ablenkt." 

Neben diesen beiden Anlagen entsteht die Waffenkammer, gesichert durch eine Art Tresortür.

Auf dieser 25-Meter-Bahn soll ab 2022 scharf geschossen werden.
Auf dieser 25-Meter-Bahn soll ab 2022 scharf geschossen werden.  © Holm Helis
So soll das fertige KTI in zwei Jahren aussehen.
So soll das fertige KTI in zwei Jahren aussehen.  © Holm Helis

Rasterelektronen-Mikroskop als wichtiges Werkzeug

Nur ein Stockwerk darüber wird das neue Rasterelektronen-Mikroskop seinen Platz finden. 

"Das ist besonders wichtig bei Vorgängen mit Schusswaffen, bei Schmauchuntersuchungen", erklärt KTI-Chef Thomas Krieghoff (60). "Stellen sie sich vor, sie suchen eine Stecknadel in einem 25-Meter-Schwimmbecken, in dieser Größenordnung bleiben Partikel auf den Händen eines Schützen unterwegs."

Krieghoff selbst hatte seine Karriere bei KTI als Sachverständiger für Materialuntersuchung begonnen, freut sich nun auf den neuen Bau. Eine komplette Etage dort wird nur für die Gen-Analyse zur Verfügung stehen. Boden-, Fingerabdruck-, Gift- und Brandexperten ziehen mit ein. Im Erdgeschoss gibt es eine Halle, um Autos auseinanderzunehmen. 

"In dem Neubau wird alles deutlich entzerrt, und wir haben mehr Platz", so der KTI-Chef. "Das ist wichtig, denn je besser die Technik wird, desto empfindlicher wird sie auch."

Titelfoto: Holm Helis

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